Politik

"Zügel anziehen" Merkel fürchtet das Corona-"Desaster"

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Kanzlerin Merkel hatte sich lange Zeit in der Pandemie-Bekämpfung zurückgehalten.

(Foto: dpa)

Die Infektionszahlen steigen und steigen. Da wird ein Zitat von Kanzlerin Merkel aus der CDU-Präsidiumssitzung publik, das aufhorchen lässt. So will Merkel die "Zügel anziehen", um der drohenden Corona-Katastrophe zu entgehen.

Kanzlerin Angela Merkel hat sich Informationen der "Bild"-Zeitung zufolge dafür ausgesprochen, sich in der Pandemie-Bekämpfung wieder stärker zu bemühen. Unter Berufung auf Teilnehmer der gestrigen CDU-Präsidiumssitzung zitiert das Blatt Merkel: "Man muss die Zügel anziehen, um bei Corona nicht in ein Desaster reinzulaufen."

Bereits gestern war bekannt geworden, dass Merkel die jüngsten Infektionszahlen als "bedrohlich", jedoch "noch beherrschbar" bezeichnete. Möglichen Gedankenspielen über weitere Lockerungen der Maßnahmen erteilte sie eine Absage, insbesondere auch im Zusammenhang mit Fußballspielen. In der kommenden Woche will Merkel mit den Länderchefs über das weitere Vorgehen beraten.

Der "Bild"-Zeitung zufolge bereiten Merkel vor allem die steigenden Zahlen durch Urlaubsrückkehrer Sorgen. Gesundheitsminister Jens Spahn richtete bereits gestern sein Augenmerk auf Infektionen im Inland durch die Teilnahme an größeren privaten Feiern - die Diskussion über mögliche bundesweit einheitliche Begrenzungen läuft.

R-Wert über 1, knapp 1400 Neuinfektionen

Im Laufe des Montags meldeten die Gesundheitsämter 1390 Neuinfektionen mit dem Coronavirus an das Robert-Koch-Institut. An den beiden Tagen zuvor war der Wert nur knapp halb so hoch. Das war zu erwarten, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln. Zum Vergleich: Der Wert für den vergangenen Montag lag noch bei 966 Fällen.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Angaben vom Montag bei 1,11 (Vortag: 1,21). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI das sogenannte Sieben-Tage-R an. Er bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Montag bei 1,04 (Vortag: 1,13). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

Die Zahlen des RKI weichen in der Regel leicht von jenen Falldaten ab, die ntv.de täglich meldet: In dieser Auswertung der Länderangaben summierte sich die Anzahl der Neuinfektionen bis Montagabend auf 1046 Fälle. Zur Erklärung: Das ntv.de-Datenteam greift direkt auf die Meldezahlen aus den Bundesländern zu, wie sie von den Ministerien und Behörden vor Ort veröffentlicht werden. Das RKI hingegegen ist an die gesetzlich vorgeschrieben Meldewege gebunden, was zu einem zeitlichen Verzug führen kann.

Zudem bilden die jeweiligen Tageswerte unterschiedliche Erfassungszeiträume ab: Die ntv-Auswertung sammelt die jeweils bis zum Abend veröffentlichten Länderangaben und errechnet daraus einen täglichen Stand der gemeldeten Fallzahlen, der in der Regel ab 20.00 Uhr veröffentlicht wird. Das Erfassungssystem des RKI dagegen berücksichtigt eingehende Meldungen bis Mitternacht, wobei der aktuelle Datenstand dann am nachfolgenden Morgen bekannt gegeben wird.

Quelle: ntv.de, jog