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Neuer Vorwurf des US-Präsidenten Merkel kontert Trumps Twitter-Attacke

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Zwei - aus unterschiedlichen Gründen - wegen ihrer Einwanderungspolitik umstrittene Staatslenker.

REUTERS

Auf Twitter behauptet US-Präsident Donald Trump, in Deutschland sei die Kriminalität angestiegen. Auf Hinweise, dass diese Behauptung falsch ist, reagiert er mit einem noch heftigeren Vorwurf in Richtung Merkel. Die Kanzlerin jedoch bleibt gelassen.

Bundeskanzlerin Merkel hat die wiederholten Twitter-Attacken von US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit einer angeblich steigenden Kriminalität in Deutschland zurückgewiesen. Nachdem Trump bereits am Montag die vermeintliche Zunahme von Verbrechen hierzulande zur Verteidigung seines harten Vorgehens gegen Einwanderer an der mexikanischen Grenze genutzt hatte, legte er mit einem weiteren Tweet nach. "Die Kriminalität in Deutschland ist um 10 Prozent gestiegen (Regierungsvertreter wollen über diese Verbrechen nicht berichten), seit Migranten akzeptiert wurden", verlautbarte der Präsident auf Twitter.

"Sei schlau, Amerika", fügte er hinzu. In anderen Ländern sei es sogar noch schlimmer als in Deutschland. Zum Zeitpunkt des Tweets gab Merkel gerade gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Pressekonferenz im brandenburgischen Meseberg. Die kürzlich vorgelegte polizeiliche Kriminalstatistik weise "leicht positive Entwicklungen" auf, sagte Merkel. Man müsse noch mehr zur Kriminalitätsbekämpfung machen. "Aber das waren durchaus ermutigende Zahlen".

Im Vergleich zu Trumps dramatisierender Rhetorik ist Merkels Formulierung von der "leicht positiven Entwicklung" regelrecht tiefgestapelt. Nach einem Anstieg im Vorjahr sank die Zahl der registrierten Straftaten in Deutschland 2017 auf den tiefsten Stand seit 1992. Dabei hätte Merkel durchaus Grund zur Empörung über Trump. Der war mit seiner vorangegangenen Twitter-Attacke auf Merkels Migrationspolitik mitten in den unionsinternen Asylstreit geplatzt.

CDU und CSU hatten gerade die Regierungskrise gerade entschärft und ihren Streit um Grenzkontrollen und Asyl auf Ende Juni vertagt, als der Präsident lostwitterte. Trump hatte nicht nur behauptet, dass die Kriminalität in Deutschland "stark angestiegen" sei, sondern auch, dass sich die Deutschen "gegen ihre Führung wenden".

Tatsächlich ist der US-Präsident derzeit selbst in eine heftige innenpolitische Debatte um seine Einwanderungspolitik verstrickt. Dabei geht es vor allem um die von den US-Behörden seit Monaten verfolgte Praxis, illegal von Mexiko über die Grenze gelangte Migranten von ihren Kindern zu trennen. Bilder und Tonaufnahmen verzweifelter Kinder und Berichte zu teils grausamen Details beim Vorgehen der Behörden sorgten in den vergangenen Tagen weltweit für Empörung. Die Kritik ist auch aus den Reihen von Trumps Republikanischer Partei inzwischen massiv angeschwollen.

Quelle: n-tv.de, mbo/dpa/AFP

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