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"Unser Haus brennt" Merkel teilt Macrons Sorgen um Regenwald

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In Brasilien sollen bereits mehr als 70.000 Brände registriert worden sein. Besonders betroffen ist die Amazonasregion.

(Foto: picture alliance/dpa)

Tausende Feuer lodern in Brasiliens Regenwald und sorgen damit international für Bestürzung. Auch Bundeskanzlerin Merkel fordert einen "klaren Aufruf" der führenden Industriestaaten beim G7-Gipfel in Frankreich. Oxfam erhebt schwere Vorwürfe: Unser globales Wirtschaftssystem verbrenne den Planeten.

Angesichts der Tausenden Feuer im Amazonasgebiet erwartet Bundeskanzlerin Angela Merkel vom G7-Gipfel ein klares Signal für einen Stopp der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet in Südamerika. "Wir werden uns damit beschäftigen, wie wir unterstützen und helfen können und einen klaren Aufruf dazu senden, dass alles getan werden muss, damit der Regenwald aufhört zu brennen", sagte Merkel in einem kurz vor ihrer Abreise ins französische Biarritz gesendeten Podcast. Der französische Präsident Emmanuel Macron habe Recht, wenn er sage: "Unser Haus brennt." Da könne man nicht schweigen.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. In diesem Jahr nahmen die Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas Zahlen der brasilianischen Weltraumbehörde INPE zufolge um 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Insgesamt sollen mehr als 70.000 Brände registriert worden sein. In den meisten Fällen waren Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

Oxfam fordert schnelles Handeln

Macron hatte das Thema als Gastgeber des G7-Gipfels kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hatte das als Einmischung in innere Angelegenheiten gewertet. "Die brasilianische Regierung ist weiterhin offen für einen Dialog, der auf objektiven Daten und gegenseitigem Respekt beruht", schrieb er auf Twitter.

Vor dem G7-Gipfel fordert auch die Entwicklungsorganisation Oxfam schnelles Handeln im Kampf gegen die verheerenden Waldbrände. Die G7 seien auch gefordert, weil sie historisch verantwortlich für den Klimawandel seien, ihre Emissionen nicht ausreichend reduzierten und arme Länder nicht unterstützten, die Folgen der Erderwärmung zu bewältigen, sagte Jörn Kalinski von Oxfam. "Unser kaputtes und schiefes globales Wirtschaftssystem verbrennt den Planeten und heute steht der Amazonas in Flammen." Die G7-Staaten, die für ein Viertel des energiebedingten weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen verantwortlich sind, müssten aufhören zu reden und endlich handeln. "Wie wir jetzt am Amazonas wie auch bei den verheerenden Fluten in Südasien sehen, sind es die Ärmsten, die an vorderster Front unserer Klimakrise stehen", sagte Kalinski.

Proteste in Brasilien gegen Regierung

In den Großstädten Rio de Janeiro und São Paulo gingen zahlreiche Menschen gegen die Umweltpolitik der brasilianischen Regierung auf die Straße. "Es gibt keine Entwicklung ohne Sauerstoff", war auf einem Protestplakat zu lesen. Auf einem anderen stand: "Lasst das Grün nicht Grau werden." Die 16-jährige Schülerin Natália Magalhães sagte dem Nachrichtenportal G1: "Als ich sah, dass das Amazonasgebiet in Flammen steht, dachte ich zuerst, dass die Welt untergeht. Die Amazonasregion ist das Herz der Welt. Ich musste kommen, um etwas zu tun."

Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.
"Man muss bedenken, dass in dieser Region mehr als 20 Millionen Brasilianer leben, die seit Jahren auf eine wirtschaftliche Entwicklung warten, die dem dort vorhandenen Reichtum entspricht", sagte Bolsonaro auch nun wieder. "Dieser Bevölkerung muss die Möglichkeit gegeben werden, sich gemeinsam mit dem Rest des Landes zu entwickeln."

Da der Amazonasregenwald große Mengen CO2 bindet und für den Kampf gegen den Klimawandel von globaler Bedeutung ist, sorgen die Brände auf der ganzen Welt für Bestürzung. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez bot den von den Bränden betroffenen Ländern Hilfe an. In Telefonaten mit den Präsidenten von Brasilien, Bolivien, Paraguay und Argentinien habe er diesen unter anderem materielle Mittel aus Spanien für die Brandbekämpfung angeboten, teilte die Regierung in Madrid mit. Spanien sei sehr besorgt über die Situation der Feuer, die die "Lunge des Planeten", eine Region "von unschätzbarem Wert", bedrohten.

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa

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