Politik

Verletzte in Venezuela Militärfahrzeug überrollt Demonstranten

Die Lage in Venezuela spitzt sich immer weiter zu: Bei Auseinandersetzungen in der Hauptstadt Caracas überrollt ein gepanzertes Fahrzeug mehrere Menschen. Während Interimspräsident Guaidó die Streitkräfte zum Überlaufen aufruft, erhält Staatschef Maduro Unterstützung von krimineller Seite.

Nach dem Aufstand einiger Soldaten gegen die Regierung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro haben sich Demonstranten und regierungstreue Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Caracas schwere Auseinandersetzungen geliefert. Vermummte Regierungsgegner griffen gepanzerte Militärfahrzeuge an. Ein Panzerwagen raste in die Menge und überrollte mehrere Menschen, wie Fernsehbilder zeigen. Dabei wurden mehrere Demonstranten verletzt. Nach Regierungsangaben erlitt zudem ein Soldat nahe der Basis eine Schussverletzung. Laut Verteidigungsminister Vladimir Padrino sei ein Oberst der Nationalgarde durch einen Schuss am Hals verletzt worden. Er müsse notoperiert werden.

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Nahe dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota schleuderten Demonstranten Steine auf Nationalgardisten auf Motorrädern. Die Sicherheitskräfte feuerten Tränengaskartuschen in die Menge. Zuvor hatte der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einige Soldaten auf seine Seite gezogen und den Rest der Streitkräfte dazu aufgerufen, sich ihm anzuschließen. Abtrünnige Soldaten befreiten zudem den seit Jahren inhaftierten Oppositionsführer Leopoldo López aus dem Hausarrest. Zusammen mit Frau und Tochter suchte López anschließend Schutz in der chilenischen Botschaft.

"Wir machen die Opposition für jede Art der Gewalt und des Blutvergießens verantwortlich", sagte Verteidigungsminister Padrino im Fernsehsender VTV. "Wir fordern sie auf, die gewalttätigen Aktionen einzustellen."

"Zusammen sind wir unbesiegbar"

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Unterdessen bestärkte Interimspräsident Juan Guaidó seine Anhänger, mit ihren Straßenprotesten auf dem richtigen Weg zu sein. "Jahrelang haben wir mit den Streitkräften gesprochen - und heute wissen wir, dass sie nicht für den Diktator sind", sagte Guaidó bei einer Rede auf dem Platz Francia de Altamira in Caracas vor tausenden Menschen. Die voranschreitende Entmachtung des sozialistischen Staatschefs Nicolás Maduro sei unumkehrbar, sagte er weiter. Guaidó hatte am Morgen die Venezolaner aufgerufen, auf die Straße zu gehen und seine "Operation Freiheit" zu unterstützen. Auf Twitter appellierte er auch an die Streitkräfte, sich dem Vorhaben endgültig anzuschließen. "Die Zukunft gehört uns: Volk und Streitkräfte vereint für die Beendigung der Ursupierung. Zusammen sind wir unbesiegbar!"

Trotz der Aufrufe zum Sturz der Regierung gibt sich Staatschef Maduro siegessicher. "Nerven aus Stahl! Ich habe mit den Kommandanten (aller Militärzonen) des Landes gesprochen. Sie haben ihre Loyalität zu Volk, Verfassung und Vaterland ausgedrückt. Ich rufe zu einer Mobilisierung des Volkes auf, um den Sieg des Friedens sicherzustellen", schrieb Maduro auf Twitter. "Wir werden siegen." Zuvor schrieb Kommunikationsminister Jorge Rodrígez auf Twitter: "Wir rufen das Volk dazu auf, in maximaler Alarmbereitschaft zu bleiben und gemeinsam mit den glorreichen Streitkräften den Putschversuch abzuwehren und den Frieden zu erhalten."

Gangs wollen Maduro mit Waffengewalt verteidigen

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Unterstützung erhält Maduro von regierungstreuen Gangs. "Es ist der Moment gekommen, in dem wir die Revolution mit Waffen verteidigen", sagte der Chef der Gruppe La Piedrita, Valentín Santana, in einem veröffentlichten Video und streckte ein Schnellfeuergewehr in die Kamera. Santanas Gang kontrolliert in Caracas die Hügel nahe dem venezolanischen Präsidentenpalast Miraflores und ist der Regierung treu ergeben. Die sogenannten "Colectivos" beherrschen ganze Stadtviertel, kontrollieren die Verteilung subventionierter Lebensmittel und gehen unbehelligt von der Polizei ihren illegalen Geschäften nach. Im Gegenzug gehen die Motorradgangs bei Protesten gegen die Regierung hart gegen die Demonstranten vor.

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Guaidó wirft Maduro Wahlfälschung vor und hält dessen Machtübernahme daher für unrechtmäßig. Als Vorsitzender des entmachteten Parlaments erklärte sich Guaidó im Januar zum Interimspräsidenten. Viele Staaten, darunter auch Deutschland und die USA, haben ihn in dieser Funktion anerkannt. "Ich beobachte die Lage in Venezuela sehr genau", schrieb Trump auf Twitter. Die USA stünden an der Seite des venezolanischen Volkes, fügte er hinzu. Sein nationaler Sicherheitsberater John Bolton erklärte wenig später, dass die USA einen friedlichen Machtübergang in dem Land wollten. Er betonte zugleich aber, dass weiterhin alle Optionen auf dem Tisch lägen.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa/AFP

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