Politik

Stadt noch nicht vollständig befreit Milizen nehmen IS-Hauptquartier in Sirte ein

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Schusswechsel mit dem IS in Sirte. Nach wie vor kontrollieren rund 1000 Dschihadisten die Wohnviertel der Stadt.

(Foto: REUTERS)

Das Hauptquartier der Terrormiliz IS in Libyen ist erobert, sagen Milizen, die gegen die Dschihadisten kämpfen. Doch noch hält der IS Teile seiner Hochburg Sirte. Diese dürften schwer zu erobern sein.

Mit der Einheitsregierung verbündete Milizen in Libyen haben nach eigenen Angaben die IS-Kommandozentrale in der Dschihadisten-Hochburg Sirte unter ihre Kontrolle gebracht. Das als Hauptquartier fungierende Kongresszentrum "ist in unseren Händen", teilte die von der UNO gestützte libysche Einheitsregierung in Tripolis mit. Die Truppen waren am Montag auf die Kommandozentrale im Zentrum von Sirte vorgerückt und hatten die Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) eingekesselt.

Wie die Regierung weiter mitteilte, nahmen die Truppen auch ein an die Kommandozentrale angrenzendes Krankenhaus und den nahe gelegenen Universitätscampus ein. Regierungssprecher Reda Issa sagte, die vollständige Befreiung von Sirte könne noch nicht verkündet werden. Die geschätzt etwa 1000 Kämpfer des mächtigen IS-Ablegers kontrollierten nach wie vor mehrere Wohnviertel der Stadt.

In Wohnvierteln lauern Sprengfallen

Der IS hatte im Juni 2015 die Kontrolle über Sirte übernommen. Nachdem sein Einflussgebiet in Zentrallibyen auf etwa 300 Kilometer Länge angewachsen war, startete die neue, international anerkannte Einheitsregierung im Mai dieses Jahres eine Offensive gegen die Dschihadisten. Innerhalb weniger Wochen rückten Truppen von allen Seiten auf das Zentrum Sirtes vor, in dem die restlichen Extremisten nun eingekesselt sind. Bei den Kämpfen gab es auf beiden Seiten große Verluste. Besonders die IS-Scharfschützen sind bei den Milizen gefürchtet und verlangsamen das Vorrücken. Auch werden die Wohnviertel Sirtes nur schwer von den Truppen zu erobern sein, da in dem dicht bebauten Gelände Sprengfallen lauern könnten.

Der Verlust der 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Stadt wäre ein schwerer Schlag für die Dschihadisten. Sirte bildet die Verbindung zwischen dem Westen und dem Osten des ölreichen Landes. Spezialkräfte aus den USA und Großbritannien unterstützen die Milizen am Boden mit Informationen über Rückzugsorte der Dschihadisten.

Nach dem Sturz und dem Tod des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Zuge des Nato-Einsatzes im Jahr 2011 war Libyen ins Chaos gestürzt. Seitdem beherrschen verfeindete Milizen den Staat. Der IS nutzte die unübersichtliche Lage in Libyen, um sich auszubreiten.

Quelle: ntv.de, asc/dpa/AFP