Politik

Ein Jahr nach gefälschter Wahl Minsk nimmt Demonstranten fest

Sicherheitskräfte schleppen Demonstranten weg.

Sicherheitskräfte schleppen Demonstranten weg.

(Foto: AP)

Gerade ein Jahr ist es her, dass sich Lukaschenko mit äußerst fragwürdigen Mitteln wieder zum Präsidenten Weißrusslands wählen lässt. Schon damals geht er harsch gegen die Opposition vor. Auch jetzt fackelt er nicht lange, als Demonstranten gegen die damaligen Repressionen protestieren.

Am Jahrestag der brutal niedergeschlagenen Proteste gegen die Präsidentenwahl im autoritären Weißrussland hat die Polizei bei einer Demonstration mindestens 30 Regierungsgegner festgenommen. Das meldete die unabhängige Agentur Belapan. Dutzende Menschen hielten bei der nicht genehmigten Aktion im Zentrum der Hauptstadt Minsk Bilder politischer Gefangener hoch und zündeten Kerzen an. Polizisten in Zivil und Mitglieder des Geheimdiensts KGB hätten auch mehrere Journalisten in Gewahrsam genommen, hieß es. Den Festgenommenen drohen bis zu 15 Tage Arrest.

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Frauen stehen mit Bildern von Verhafteten auf der Straße.

(Foto: dpa)

Einige der Demonstranten schrien und traten nach den Polizisten, als sie zu den am Rand des Platzes geparkten Polizeiautos geschleppt wurden. "Ihr werdet dafür in der Hölle brennen", rief eine ältere Frau, als ihre Mahnwache aufgelöst wurde. "Was für Kinder haben wir großgezogen?". Augenzeugen berichteten von ähnlichen Szenen an anderen Plätzen, wo Sicherheitskräfte Trauernde in Lastwagen zerrten.

Die weißrussische Menschenrechtsorganisation Wjasna teilte auf ihrer Webseite mit, dass vier Anführer der Opposition auf dem Weg zu der nicht genehmigten Veranstaltung festgenommen worden seien. Auch die weißrussische christdemokratische Partei erklärte auf ihrer Homepage, ihr Vorsitzender Wital Rymascheuski sei festgenommen worden, als er Stunden vor der Mahnwache seine Wohnung verließ. Erst am Sonntag hatte US-Außenministerin Hillary Clinton erneut die Freilassung aller politischen Häftlinge in Weißrussland gefordert.

Zehntausende gingen auf die Straße

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Eine Regimegegnerin zündet Kerzen an.

(Foto: AP)

Der als "letzter Diktator Europas" kritisierte Präsident Alexander Lukaschenko hatte sich bei der Abstimmung in der Ex-Sowjetrepublik am 19. Dezember 2010 mit fast 80 Prozent der Stimmen im Amt bestätigen lassen. Daraufhin hatten landesweit Zehntausende gegen das Ergebnis protestiert. Über 700 Menschen wurden bei den Protesten festgenommen, darunter auch sechs Präsidentschaftskandidaten.

Zahlreiche sind noch immer in Haft, darunter auch die oppositionellen Präsidentenkandidaten Andrej Sannikow und Nikolai Statkewitsch. Auch internationale Beobachter kritisierten die Wahl als unfair.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP