Politik

Durch Corona-Krise Müller befürchtet neue Gewalt in Afrika

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Auch in Nigeria sind Geschäfte geschlossen, die Menschen tragen Schutzmasken.

(Foto: dpa)

Arbeitslosigkeit und Herausforderungen für das Gesundheitssystem - das Coronovirus ist auch für wohlhabende und stabile Gesellschaften eine Belastung. Entwicklungs- und Schwellenländer sind darauf deutlich schlechter eingestellt. Das kann zu neuen Kriegen führen, fürchtet Entwicklungsminister Müller.

Die Corona-Pandemie könnte in Afrika zum Ausbruch neuer Gewalt und zu neuen Flüchtlingsbewegungen führen. Das befürchtet der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller. "Die Lage ist dramatisch, denn mit einer Verzögerung von zwei Monaten kommt das Virus jetzt in den Entwicklungs- und Schwellenländern an", sagte der CSU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen". "Ich habe große Sorgen, dass es in fragilen Staaten zum Ausbruch von Unruhen kommt, auch zu Bürgerkriegen", betonte er.

Die wirtschaftlichen Verwerfungen der Krise träfen Afrika mit voller Wucht: "Millionen Menschen haben in Entwicklungsländern schon ihre Arbeit verloren, verfügen über keinerlei Absicherung und Einkommen", sagte Müller. "Es kommt bereits zu Unruhen. Terroristische Gruppen verüben verstärkt Anschläge mit dem Ziel, Regierungen zu stürzen", betonte er. "Chaos bis hin zum Bürgerkrieg und Flüchtlingswellen wären die Folge. Dies alles betrifft auch uns." Deswegen müsse die internationale Gemeinschaft alles unternehmen, um den Zusammenbruch einzelner Staaten zu verhindern.

"Es gibt auf dem afrikanischen Kontinent im Vergleich zu Deutschland und Europa, bis auf wenige Ausnahmen, nahezu keine intensivmedizinischen Einrichtungen", warnte Müller. Das Entwicklungsministerium konzentriere sich ebenso wie die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf, die Gesundheitssysteme in den armen Ländern systematisch zu stärken.

UN-Generalsekretär António Guterres hatte zu Beginn vergangener Woche zu einer weltweiten Waffenruhe wegen der Coronavirus-Pandemie aufgerufen. Am Freitag beklagte Guterres, einige Konflikte seien sogar weiter eskaliert. "In vielen der kritischsten Situationen haben wir kein Nachlassen der Kämpfe gesehen und einige Konflikte haben sich sogar intensiviert", sagte Guterres am Freitag in New York. Er nehme damit unter anderem auf den Konflikt in Afghanistan Bezug. Konfliktparteien von elf Ländern hätten aber positiv auf seinen Aufruf reagiert, sagte Guterres weiter: Dabei handele es sich um Kamerun, die Zentralafrikanische Republik, Kolumbien, Libyen, Myanmar, die Philippinen, Südsudan, Sudan, Syrien, die Ukraine und den Jemen.

Quelle: ntv.de, sba/dpa