Politik

SPD-Kandidatendebatte ebbt nicht ab Nahles' Machtwort verpufft

Immer mehr SPD-Politiker drängen darauf, dass sich die Partei schnell für einen Kanzlerkandidaten entscheidet. Auch ein öffentlichkeitswirksames TV-Duell wünschen sich Sozialdemokraten. Manch einer stellt gar die Troika aus Steinmeier, Steinbrück und Gabriel in Frage und fordert mehr Weiblichkeit.

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Nahles hält es nicht für klug, jetzt über Kanzlerkandidaten zu debattieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sozialdemokraten ignorieren das Machtwort ihrer Generalsekretärin Andrea Nahles. Ein Tag danach geht die Debatte darüber, wer wird, weiter: Der Bundestagsabgeordnete Johannes Pflug forderte eine vorgezogene Entscheidung über die Kandidatenkür. "Bis Ende des Jahres sollte unser Kanzlerkandidat feststehen. Nach der Niedersachsen-Wahl ist zu spät, denn dann bleibt uns nicht genügend Zeit für den Wahlkampf gegen Merkel", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Auch Lars Klingel wollte nicht auf Nahles hören. Der Bundestagsabgeordnete forderte eine Urabstimmung der Mitglieder. "Vorher kann es nach amerikanischem Vorbild eine TV-Debatte geben, bei der sich alle Kandidaten präsentieren."

Schwesig, Özoguz und Nahles statt der Männerriege

Der Sprecher der Parlamentarischen Linken der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, setzte sich wiederum dafür ein, die Männer-Troika um weibliche Kandidaten zu ergänzen. "Die starken, profilierten Frauen in der SPD gehören vor der Bundestagswahl in die erste Reihe der Partei", sagte er dem "Hamburger Abendblatt".

Statt der Troika aus den drei möglichen SPD-Kanzlerkandidaten - Parteichef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück - solle die Partei ein "Kernteam" aufstellen. Zu diesem sollten unter anderem die Parteivize Manuela Schwesig und Aydan Özoguz sowie Generalsekretärin Andrea Nahles gehören, forderte Rossmann.

Die SPD-Parteispitze hatte nach einem aus Schleswig-Holstein, der sich für Steinmeier als Kanzler einsetzte, am Montag darauf beharrt, eine Entscheidung erst im Januar zu treffen. Generalsekretärin Nahles rief in Berlin dazu auf, die Diskussion unverzüglich zu beenden, da sie der Partei derzeit schade.

Der offizielle Zeitplan der Sozialdemokraten sieht vor, den Kanzlerkandidaten nach der Landtagswahl in Niedersachsen zu bestimmen, die am 20. Januar stattfindet.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP