Politik

Nach dem Fall Kabuls Neue Allianz gegen die Taliban formiert sich

2019-09-06T120513Z_1920185682_RC1C3F868CB0_RTRMADP_3_AFGHANISTAN-MASSOUD.JPG

Genau wie sein Vater ist Ahmad Massoud ein Gegner der Taliban.

(Foto: REUTERS)

Seit den 90er-Jahren gilt das Pandschir-Tal als Zentrum des Widerstandes gegen die Taliban in Afghanistan. Nach dem Fall Kabuls scheinen Politiker der alten Regierung und der Sohn eines berühmten Taliban-Gegners dort eine neue Koalition zu schmieden.

Nach dem kampflosen Einmarsch in Kabul haben die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen. Doch bereits kurz nach dem Fall der Hauptstadt gibt es neuen Widerstand gegen die militanten Islamisten. Im abgeschiedenen Pandschir-Tal, etwa 100 Kilometer nordöstlich von Kabul, formiert sich eine Allianz.

Laut BBC-Korrespondentin Yalda Hakim und "Washington-Post"-Reporter Ezzatullah Mehrdad traf sich der geflohene Vizepräsident Amrullah Saleh noch am Sonntagabend mit Milizenführer Ahmad Massoud in der Provinz Pandschir, um über eine neue Anti-Taliban-Koalition zu beraten. Ahmad Massoud ist Sohn und Nachfolger von Ahmad Schah Massoud, der in den 90er-Jahren Kopf des Widerstandes gegen die Taliban war und bis 2001 einen erbitterten Guerillakrieg gegen die Islamisten führte. Zwei Tage vor den Terroranschlägen vom 11. September kam der Anführer der sogenannten Nordallianz bei einem Al-Kaida-Attentat ums Leben.

Saleh war Weggefährte von Ahmad Schah Massoud und gilt als vehementer Gegner der Taliban. Bereits kurz nach seiner Flucht aus Kabul meldete sich der Politiker bei Twitter zu Wort. "Ich werde nicht die Millionen Menschen im Stich lassen, die auf mich gehört haben. Ich werde niemals mit den Taliban unter einem Dach leben. Niemals." Am Dienstag rief Saleh die Bevölkerung auf, sich "dem Widerstand anzuschließen". Gleichzeitig erklärte er sich zum "legitimen geschäftsführenden Präsidenten" des Landes.

Auch der untergetauchte Verteidigungsminister Bismillah Chan Mohammadi schimpfte im Netz über die Islamistenmiliz. Er sei nicht so skrupellos, mit den Mördern von Tausenden Sicherheitskräften und unschuldigen Zivilisten an einem Tisch zu sitzen. Er versprach, Afghanistan von "diesen Terroristen" zu befreien. Wie Saleh stammt auch Mohammadi aus der Provinz Pandschir. Beide Politiker sollen in der Region Unterschlupf gefunden haben.

Die Provinz Pandschir ist die einzige Region im Land, die noch nicht in die Hände der Taliban gefallen ist. Schon während der ersten Taliban-Herrschaft galt das schwer zugängliche Tal als Widerstandsnest gegen die Islamisten. Die Ablehnung der Taliban hat dort vor allem ethnische Gründe. Die Bevölkerung der Provinz gehört größtenteils zur Gruppe der Tadschiken, während sich die Taliban mehrheitlich aus der Volksgruppe der Paschtunen rekrutieren. Auch in religiöser Hinsicht gibt es zwischen den Gruppen Unterschiede.

Gerüchte über eine neue Widerstandsbewegung kursieren bereits seit Wochen. Wie die indische Zeitung "The Tribune" berichtete, sollen sich in den vergangenen Tagen tadschikische Angehörige der afghanischen Armee mit Panzern und Fahrzeugen ins Pandschir-Tal zurückgezogen haben.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen