Politik

Kim wirft Europa "Paranoia" vor Nordkorea: Atom-Abrüstung ist vom Tisch

Seit dem gescheiterten US-Nordkorea-Gipfel im Februar kommen die Verhandlungen über eine mögliche Denuklearisierung nicht voran. Die Beziehungen zwischen den Ländern verschlechtern sich. Jetzt teilt Pjöngjang heftig gegen Washington und sechs EU-Staaten aus. Auch Deutschland ist betroffen.

Die nordkoreanische UN-Vertretung hat Gesprächen mit den USA über eine Denuklearisierung eine Absage erteilt und zugleich zu einem verbalen Rundumschlag gegen mehrere EU-Staaten ausgeholt. In einer Stellungnahme der Nordkoreaner, die in New York veröffentlicht wurde, heißt es, "längliche Gespräche" mit den USA seien derzeit nicht nötig und eine Denuklearisierung vom Tisch. Die Amerikaner nutzten die Gespräche mit Nordkorea nur für innenpolitische Zwecke. Mit Denuklearisierung ist in den Verhandlungen zwischen Washington und Pjöngjang die atomare Abrüstung Nordkoreas gemeint.

Zugleich teilte die nordkoreanische Vertretung heftig in Richtung Europa aus. Sechs EU-Staaten hätten Nordkorea vor wenigen Tagen in einem gemeinsamen Statement auf bösartige Weise verurteilt, hieß es in der Stellungnahme. Dass sie vollkommen legitime Schritte Nordkoreas derart kritisierten, sei eine "ernsthafte Provokation", "dumm" und Ausdruck ihrer "Paranoia". Diese EU-Staaten spielten den "Schoßhund" für die USA. Ihre Anbiederung an die USA sei "jämmerlich".

Deutschland hatte am Mittwoch nach einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York zusammen mit Frankreich, Großbritannien, Belgien, Polen und Estland seine Besorgnis über "provokante Handlungen" Nordkoreas erneut bekräftigt. Zuvor hatte das mächtigste UN-Gremium hinter verschlossenen Türen über die jüngsten Raketentests Pjöngjangs beraten.

Auch der Ton zwischen Washington und Pjöngjang hatte sich zuletzt wieder verschärft. Die Verhandlungen der USA mit Nordkorea sind seit ihrem gescheiterten Gipfel im Februar in Vietnam nicht mehr vorangekommen. Pjöngjang hatte einseitig eine Frist bis zum Jahresende gesetzt. Bis dahin solle Washington neue Vorschläge vorlegen. Es gibt in Südkorea die Befürchtung, Nordkorea könnte sein Moratorium für Atomversuche und Tests von Langstreckenraketen aufheben. Angesichts fehlender Fortschritte bei den Gesprächen über das Atomwaffenprogramm Nordkoreas hatte sich Trump am Freitag auch telefonisch mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In beraten, wie das Weiße Haus mitteilte.

Man habe ausführlich über Wege gesprochen, wie der Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel vorangebracht werden könne. Beide seien sich einig, "dass der Impuls zum Dialog erhalten werden sollte, um rasch Ergebnisse bei den Verhandlungen über eine Denuklearisierung" zu erzielen. Mit Denuklearisierung ist die atomare Abrüstung Nordkoreas gemeint.

Quelle: ntv.de, uzh/dpa