Politik

Kritik ebbt nicht ab Obama knöpft sich Trump vor

Donald Trump beleidigt die Eltern eines im Irak-Einsatz getöteten US-Soldaten muslimischen Glaubens. Nicht nur die Familie ist entsetzt. Ein Aufschrei geht durch die USA - auch Präsident Obama schießt nun verbal gegen Trump. Selbst in den eigenen republikanischen Reihen wird der Ton schärfer.

Mit seiner Kritik an den Eltern eines im Irak getöteten muslimischen US-Soldaten hat Donald Trump massive Kritik auf sich gezogen. Als Oberster Kommandierender sei er den "Blödsinn" leid, den "manche Leute" über Militär und Soldaten des Landes erzählten, sagte US-Präsident Barack Obama bei einem Treffen von kriegsversehrten Veteranen. Zwar nannte er Trump nicht ausdrücklich beim Namen. Doch war deutlich, auf wen die Bemerkung gemünzt war. Obama ehrte die sogenannten Gold-Star-Familien - jene, die Angehörige in einem Militäreinsatz verloren haben.

"Niemand hat mehr für unsere Freiheit und unsere Sicherheit gegeben als unsere Gold-Star-Familien", sagte der Präsident. Diese Familien hätten ein Opfer gebracht, das "die meisten von uns sich nicht einmal ansatzweise vorstellen können". Obama mahnte, es müsse alles für diese Familien getan und diese müssten geehrt werden.

McCain distanziert sich

Er könne nicht "genügend betonen, wie wenig ich mit den Kommentaren von Herrn Trump übereinstimme", sagte John McCain, republikanischer Senator und Schwergewicht in der Partei. "Ich hoffe, die Amerikaner verstehen, dass dies nicht die Sichtweise der republikanischen Partei, ihrer Mitarbeiter oder Kandidaten widerspiegelt", sagte McCain.

Trump: "Bösartige Attacke"

Der Vater des toten Soldaten, Khizr Khan, rief derweil zur Versöhnung auf. Sein Sohn Humayun war 2004 durch ein Selbstmordattentat im Irak getötet worden. Bei einem bewegenden Auftritt auf dem Parteitag der Demokraten hatte der gebürtige Pakistaner Trump in der vergangenen Woche vorgeworfen, "nichts und niemanden geopfert" zu haben. Er solle sich nur einmal die Gräber von US-Soldaten aller Ethnien und Glaubensrichtungen auf den Friedhöfen anschauen. Trump reagierte daraufhin beleidigt.

In einem Interview des Senders CNN sagte Khan nun, er suche keineswegs die Konfrontation mit Trump: "Wir möchten nicht damit weitermachen. Das ist nicht unsere Art. Wir sind eine anständige, ehrfürchtige Familie und sehr dankbar für die Wohltaten, die uns widerfahren sind."

Noch während das Interview ausgestrahlt wurde, reagierte Trump einmal mehr dünnhäutig: "Herr Khan, der mich nicht kennt, hat mich von der Bühne der demokratischen Convention bösartig attackiert und jetzt ist er überall im Fernsehen, um dasselbe zu tun. Nett!", sagte er. 

Schon in einem Interview des Senders ABC hatte er am Sonntag zum Gegenangriff ausgeholt. Die Äußerungen seien wohl vom Redenschreiber seiner Rivalin Hillary Clinton verfasst worden, sagte er über Khans Auftritt. Dann fuhr der Immobilienmogul fort, er habe sehr wohl "eine Menge Opfer" gebracht. Er arbeite "sehr, sehr hart" und habe Zehntausende Jobs geschaffen.

Khan: Lasse mir das Wort nicht verbieten

Dass Khans Frau während der Rede am Donnerstag schweigend neben ihrem Mann auf der Bühne gestanden hatte, kommentierte Trump mit den Worten: "Sie hatte nichts zu sagen (...), vielleicht war es ihr nicht erlaubt, etwas zu sagen."

Die Betroffene, Ghazala Khan, widersprach nun erneut. "Meine Religion, meine Familie oder meine Kultur haben mich noch nie davon abgehalten, zu sagen, was ich will", sagte sie dem Sender CNN. 

Posthume Ehrungen

Der republikanische Spitzenkandidat hatte in der Vergangenheit wiederholt mit kritischen Äußerungen über Muslime Wirbel ausgelöst. So ging er vor dem Hintergrund islamistischer Terrorangriffe sogar so weit, einen Einreisestopp für Muslime zu fordern.

Die US-Streitkräfte hatten dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten geborenen Hauptmann Khan posthum die Auszeichnungen Purple Heart und Bronze Star Medal für seinen Einsatz im Irak verliehen. Er war bei dem Versuch gestorben, seine Kameraden vor einer Autobombe zu schützen.

Quelle: n-tv.de, bad/dpa/AFP

Mehr zum Thema