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Tausende Militärangehörige waren nach dem Putschversuch im Juli festgenommen worden.
Tausende Militärangehörige waren nach dem Putschversuch im Juli festgenommen worden.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 05. Januar 2017

Urteile nach Putschversuch in Türkei: Offiziere zu lebenslanger Haft verurteilt

Nach dem gescheiterten Umsturzversuch in der Türkei werden Zehntausende angebliche Putschisten festgenommen. Nun fallen die ersten Urteile. Zwei Militärs sollen den Rest ihres Lebens hinter Gittern verbringen.

Erstmals seit der Niederschlagung des Putsches in der Türkei Mitte Juli sind zwei hochrangige Militärs zu Gefängnisstrafen wegen des Umsturzversuchs verurteilt worden. Ein Gericht in der osttürkischen Stadt Erzurum habe die beiden Offiziere zu lebenslanger Haft verurteilt, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Angeklagten hätten die Vorwürfe bestritten.

Das Gericht befand die Angeklagten, einen Oberst und einen Major, der Verschwörung für schuldig. Sie hätten nach einer erfolgreichen Entmachtung von Präsident Recep Tayyip Erdogan als Provinzkommandeure die Macht der Putschisten absichern sollen, argumentierte die Anklage.

Das Gericht sah die Angeklagten als Teil eines Netzwerkes, bei dem die Gülen-Bewegung die Strippen gezogen habe. Die türkische Regierung macht die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli vergangenen Jahres verantwortlich. Gülen weist das zurück.

Der Umsturzversuch aus den Reihen des Militärs forderte nach Regierungsangaben mindestens 246 Todesopfer. Eine endgültige Zahl der getöteten Putschisten hat die Regierung nicht veröffentlicht.

Hunderte Haftbefehle erlassen

In ihrem Kampf gegen die Gülen-Bewegung geht die Justiz unterdessen weiter gegen Firmen und Geschäftsleute vor. Die Staatsanwaltschaft erließ allein Haftbefehle gegen fast 400 Unternehmer, denen Verbindungen zum Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen werden. Die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, ihnen werde vorgeworfen, Gülen-Einrichtungen finanziert zu haben. 110 der Verdächtigen seien im Ausland. Das Gericht habe außerdem die Durchsuchung der Wohnungen und Büros der Verdächtigen beschlossen.

Auch der Chefjustiziar und ein früherer Vorstandschef des Medienkonzerns Dogan wurden unter dem Vorwurf der Unterstützung Gülens festgenommen. Zur Dogan-Gruppe gehören die Tageszeitung "Hürriyet" und der Fernsehsender CNN Türk. Die Gruppe des als säkular bekannten Firmengründers Aydin Dogan umfasst zudem Beteiligungen an zahlreichen Finanz-, Energie- und Tourismusunternehmen. Der Dogan-Aktienkurs brach zu Handelsbeginn um rund zehn Prozent ein.

Nach Anadolu-Angaben wurden im Zusammenhang mit dem Putschversuch mehr als 41.000 Menschen in Untersuchungshaft genommen. Die Gülen-Bewegung gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Quelle: n-tv.de