Politik

Goldman Sachs' Venezuela-Wette Opposition kritisiert "Hungerbonds" scharf

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Oppositionelle protestieren gegen das Engagement der US-Bank.

(Foto: REUTERS)

Goldman Sachs kauft staatliche Anleihen in Venezuela und hofft auf saftige Renditen. Die Opposition wirft der US-Investmentbank vor, das Regime zu unterstützen und dem Hunger im südamerikanischen Land Vorschub zu leisten. Goldman Sachs verteidigt sich.

Die venezolanische Opposition hat die US-Investmentbank Goldman Sachs für den Aufkauf von Anleihen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA scharf kritisiert. "Auch wenn sie sich noch so anstrengen, Goldman Sachs und seine Führungskräfte können diesen Deal nicht schönfärben. Für die Venezolaner ist er unmoralisch", schrieb Parlamentspräsident Julio Borges in einem offenen Brief. Die US-Investmentbank hatte Medienberichten zufolge zuletzt PDVSA-Anleihen über einen Nennwert von 2,8 Milliarden Dollar für rund 865 Millionen Dollar erworben.

Die Opposition kritisierte die PDVSA-Anleihen als "Hungerbonds", an denen Goldman Sachs kräftig verdienen könnte. Venezuela bedient bislang trotz der Krise alle seine Schulden, importiert aber kaum Waren des täglichen Bedarfs. Werden die Anleihen bei Fälligkeit 2022 tatsächlich bedient, würde Goldman Sachs eine jährliche Rendite von knapp 43 Prozent einstreichen. "Millionen Venezolaner gehen hungrig zu Bett, ohne eine Chance, Medikamente zu erhalten, Opfer eines brutalen Regimes, das nun von Goldman Sachs unterstützt wird", schrieb Borges.

Goldman Sachs verteidigte den Deal. Man habe die Schuldscheine nicht direkt beim venezolanischen Staat, sondern über einen Broker auf dem Sekundärmarkt gekauft. Somit sei auch kein Geld direkt an den venezolanischen Staat geflossen. "Wie viele andere Investoren glauben wir, dass sich die Lage langfristig verbessern muss", hieß es in einer Stellungnahme. "Wir erkennen an, dass die Situation komplex ist und Venezuela sich in einer Krise befindet. Wir stimmen zu, dass das Leben sich dort verbessern muss. Wir haben die Investition zum Teil auch deshalb gemacht, weil wir daran glauben, dass dies der Fall sein wird."

Venezuela befindet sich in einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Wegen des niedrigen Ölpreises und jahrelanger Misswirtschaft verfügt das Land mit den größten Ölreserven der Welt kaum noch über Devisen, um Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs einzuführen.

Borges berichtete im Europäischen Parlament über die Lage in Venezuela. "Die Venezolaner suchen im Müll nach Essbarem", sagte der Parlamentspräsident. Die Regierung unterdrücke die Proteste. 60 Menschen seien bei den seit zwei Monaten andauernden Demonstrationen bereits ums Leben gekommen.

Quelle: ntv.de, rpe/dpa