Politik

"Er kommt, ich werde sterben" Orlando-Opfer schickte verzweifelte SMS

Die Nachricht ihres Sohnes reißt Mina Justice aus dem Schlaf: Ihr Sohn Eddie ist in Orlando in einem Nachtklub, als Schüsse fallen. Er schreibt ihr, dass er in der Toilette eingesperrt ist und sie Hilfe holen soll. Stundenlang ist die Mutter über sein Schicksal im Ungewissen.

Bei dem Massaker in Orlando sind mindestens 50 Menschen ermordet worden. Omar Seddique Mateen hatte in der Nacht zum Sonntag im Schwulenklub "Pulse" das Feuer eröffnet und Geiseln genommen. Erst nach drei Stunden stürmte die Polizei den Klub und tötete den Angreifer. Die Mutter eines der Opfer erlebte den Horror durch Textnachrichten mit, die ihr Sohn in Todesangst aus dem Klub schickte.

Wie der Sender WTSP berichtete, bekam Mina Justice die erste Nachricht um kurz nach zwei Uhr morgens: "Mama, ich liebe Dich", schrieb der 30-Jährige und sagte ihr, dass im Klub geschlossen wird. Die Mutter habe vergeblich versucht, ihren Sohn anzurufen, hieß es. Eddie habe seiner Mutter daraufhin erklärt, dass er in der Toilette des Klubs eingesperrt sei. Sie solle die Polizei rufen. Dies tat Mina und hielt danach weiter Kontakt zu ihrem Sohn. "Er kommt, ich werde sterben", lautete die nächste Nachricht von ihm.

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Als die Mutter fragte, ob jemand verletzt sei, habe er geantwortet: "Viele. Ja". Mina habe ihrem Sohn daraufhin gesagt, dass die Polizei vor dem Klub eingetroffen sei. "Sie müssen uns rausholen", schrieb er in einer weiteren verzweifelten Textnachricht. "Beeil Dich." Gegen 2:50 Uhr kamen laut Bericht die letzten Nachrichten. Der Schütze sei inzwischen in der Toilette, hieß es darin. Danach hörte die Mutter nichts mehr von ihrem Sohn. Gemeinsam mit anderen Angehörigen und Freunden habe die Mutter in einem Hotel auf Neuigkeiten gewartet. Am Montagmorgen (Ortzeit) habe sie die Bestätigung bekommen, dass ihr Sohn tot ist.

IS bekennt sich zu Attentat

Das Massaker im "Pulse" war das blutigste Attentat eines Einzeltäters in der Geschichte der USA. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich inzwischen erneut dazu bekannt. "Einer der Soldaten des Kalifats in den USA hat einen Angriff ausgeführt, bei dem ihm der Zugang zu einem Treffen der Kreuzzügler in einem Nachtklub für Homosexuelle in Orlando, Florida gelungen ist", hieß es laut einer offiziellen Stellungnahme im IS-Radiosender Albayan. Er habe über Hundert getötet oder verletzt, bevor er selbst getötet worden sei.

US-Behörden prüfen derzeit, ob die Tat einen islamistischen Hintergrund hat und tatsächlich dem IS zuzuschreiben ist. Eine direkte Verbindung zwischen Mateen und dem IS sehen sie bisher nicht. Allerdings hatte das FBI Mateen schon vor drei Jahren wegen Terrorverdachts im Visir. Ein FBI-Ermittler sagte, er habe damals vor Kollegen Andeutungen gemacht, die "an eine mögliche Verbindung mit Terroristen denken ließen".

Außerdem sei gegen ihn wegen möglicher Kontakte zu einem US-Selbstmordattentäter ermittelt worden. Mateen sei zweimal vernommen, der Verdacht aber fallengelassen worden. In neueren Berichten hieß es, Mateen habe sich kurz vor den Anschlägen in einem Anruf unter der Notrufnummer 911 als IS-Gefolgsmann zu erkennen gegeben.

Quelle: ntv.de, hul/rts/AFP