Politik

Bin Ladens Tunnelfestungen Osama in der Unterwelt

Von wegen kleine, dreckige, unkomfortable Höhlen: Es ist ein riesiges, immer wieder erneuertes Tunnelsystem, in das sich Osama bin Laden auf seiner Flucht vor US-Einheiten und Kämpfern der Nordallianz zurückziehen könnte - oder schon zurückgezogen hat. Scheinbar uneinnehmbare Festungen in den zerklüfteten Bergen Afghanistans.

Diese bestehen nicht nur aus kilometerlangen und vielfach miteinander verzweigten Höhlen und Spalten. Es handelt sich oft um richtiggehende Betonburgen gewaltigen Ausmaßes, die in den vergangenen Jahrzenten in die Unterwelt Afghanistans einzementiert wurden. Bunker zum Schutz vor unerwünschten Eindringlingen.

Schon die Zugänge der Höhlen sind, vor allem aus der Luft, schwer aufzuspüren. Meist liegen sie unter Felsüberhängen inmitten wegloser Bergflanken, viele der geheimen Ein- und Ausgänge sind durch Stahltüren gesichert. Folgt man den zum Schutz vor direkten Raketeneinschlägen rechtwinklig weiter führenden Gängen, gelangt man mitten hinein in die riesigen Tunnelkomplexe.

Bombensicher und praktisch uneinnehmbar

Ein Mythos ist und bleibt dabei vor allem die Festung unter dem fast viertausend Meter hohen Berg Tora Bora ("Schwarzer Staub") gut 50 Kilometer südwestlich von Dschalalabad - sie gilt als bombensicher und praktisch uneinnehmbar. Bis zu 2000 Taliban-Kämpfer könnten dort Schutz suchen, heißt es - in einem Höhlenkomplex, der nach Berichten von Sicherheitsleuten, Einwohnern und Überläufern einem Hotel gleichen soll.

Demnach gibt es dort zahlreiche Schlaf- und Aufenthaltsräume, durch fließendes Wasser angetriebene Generatoren sorgen für eine ausreichende Stromversorgung. Sogar größere Fahrzeuge sollen durch den entsprechend breiten "Haupteingang" ins Innere gelangen können. Außerdem zählen Treibstoffbunker, riesige Waffenarsenale und unter Umständen auch ein eigenes Feldlazarett zu der Gebirgsfestung, die einen Drei-Stunden-Fußmarsch vom nächsten Dorf entfernt ist und offenbar von berittenen Taliban-Kämpfern bewacht wird. Allerdings weiß niemand, ob sich Osama bin Laden im "Schwarzen Staub" aufhält, oder in einer der zahlreichen anderen Tunnelkomplexe, oder in Pakistan, oder ...

Kein Kampf "von Höhle zu Höhle"

Die Suche nach dem Terroristenchef gestaltet sich schwierig. Nur eines scheint sicher: Einen Kampf "von Höhle zu Höhle" werde es jedenfalls nicht geben, so US-Verteidigungsminister Rumsfeld - damit hatten schließlich schon die Sowjets vor Jahren schmerzhafte Erfahrungen machen müssen. Die USA setzen bei ihrer Suche nach bin Ladens Versteck stattdessen auf modernste Radargeräte, die unterirdische Hohlräume entdecken sollen. Auf hochempfindliche Wärmefühler, die aus großer Höhe die Abluft bewohnter Höhlen ausmachen sollen. Auf elektronische Messgeräte, die die Kraftfelder etwa von unterirdisch eingesetzten Generatoren aufspüren sollen. Oder auf elektromagnetische Sensoren, die über eine Veränderung der örtlichen Magnetfelder Betonbauten unter der Erde nachweisen sollen.

Ob aber am Ende dieses High-Tech-Krieges dann auch tatsächlich der Erfolg steht und Osama bin Laden auf diese Weise gefasst werden kann, ist fraglich. Unter Umständen nämlich könnte sich der Terroristenchef - so lauten andere Gerüchte - auch in unscheinbaren und unauffälligen Bergdörfern verschanzt haben. Das Versteckspiel geht weiter.

Quelle: n-tv.de