Politik

Von keiner Armee genutzt PM 1910 - die älteste Waffe der Ukraine

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Die ersten Modelle des Maxim-Maschinengewehr waren Lizenzmodelle aus britischer und deutscher Produktion.

(Foto: dpa)

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Dass nicht die modernsten Waffensysteme im Krieg in der Ukraine zum Einsatz kommen, ist bekannt. Doch dass unter Umständen ein Maschinengewehr immer noch benutzt wird, das bereits die Armee des russischen Zaren und später die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg benutzte, verwundert schon.

Es ist schon erstaunlich, mit welchen Waffen sich die Ukraine und Russland in ihrem Kampf gegenüberstehen. Dass die Waffensysteme nicht auf dem neuesten Stand sind und zu großen Teilen noch aus Zeiten der Sowjetunion stammen, also jenem Abschnitt in der Geschichte als beide Länder noch zusammengehörten, verwundert nicht. Doch dass jetzt sogar eine Waffe aus der Zeit eingesetzt wird, als die Ukraine noch dem russischen Zarenreich angehörte, verwundert schon. Einmal mehr, weil sie, so berichtet jedenfalls die britische Wochenzeitschrift "The Economist", den russischen Streitkräften auch noch heftig einheizen soll.

Die Rede ist von dem russischen Maschinengewehr PM 1910 (Пулемёт Максима образца 1910 года / Maxim Maschinengewehr Modell 1910). Die ersten Modelle des Maxim-Maschinengewehrs waren Lizenzmodelle aus britischer und deutscher Produktion. In Russland soll die Fertigung des Maxim, das seinen Namen von seinem Erfinder Hiram Maxim hat, im Jahr 1904 begonnen haben. Doch während die ersten Modelle noch einen Kühlmantel aus Bronze verwendeten, der alleine schon 25 Kilogramm wog, bestand das stark überarbeitetet, PM 1910 völlig aus Stahl.

Anders als die Gatling-Geschütze nur ein Lauf

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Anders als ein Gatling-Geschütz hat das PM 1910 nur einen Lauf.

(Foto: dpa)

Anders als die sogenannten Gatling-Geschütze, deren sechs Läufe um eine Drehachse angeordnet sind und durch Kurbeln mit Munition versorgt werden, hat das Maxim nur noch einen Lauf, bei dem ein Rückstoßverstärker an der Mündung, für den Ladevorgang sorgt. Anders gesagt, unterstützen die entstehenden Gase beim Abfeuern einer Kugel den Einschub der nächsten. Bleibt der Finger also auf dem Abzug, können bis zu 250 Patronen hintereinander abgefeuert werden. Um bei Dauerfeuer ein Überhitzen des Laufes zu verhindern, wurde ein Hohlmantel darum angebracht, der regelmäßig mit Wasser gefüllt wird.

Als Patrone für die PM 1910 dient das Standardkaliber von 7,62 Millimeter. Deren erste Version wurde bereits von der zaristischen Armee im Jahr 1891 eingeführt. Das Kaliber wird auch von dem weltweit verbreitetsten Maschinengewehr, der Kalaschnikow AK-47, benutzt. Das russische Maxim, das ab 1912 in Serie produziert wurde, diente am Ende nicht nur den Streitkräften des Zaren als Waffe, sondern fand seinen Einsatz auch aufseiten der Soldaten der Oktoberrevolution und im darauffolgenden russischen Bürgerkrieg. Letztlich wurde das Maxim auch noch im Zweiten Weltkrieg eingesetzt, obgleich da bereits der moderne Ableger SG-43 seine Verwendung fand.

Bei den PM 1910, die auf diversen Videos im Einsatz der ukrainischen Streitkräfte zu sehen sind, ist nicht auszumachen, um welche Variante es sich handelt. Es ist aber deutlich zu erkennen, dass der große Kühldeckel an der Mündung des Laufes fehlt. Ein Zusatz, der ab 1940 angebracht wurde und sicherstellen soll, dass im Notfall zur Kühlung auch Schnee in den Laufmantel gestopft werden kann. Auf anderen Videos, die aus dem Jahr 2016 stammen, ist hingegen der Kühldeckel sehr gut zu erkennen.

Die Reserven der Roten Armee

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Eine Video zeigt ukrainische Soldaten im Jahr 2015 bei Schießübungen mit dem PM 1910.

(Foto: Screenshot)

Doch wie gelangen diese unter Umständen fast 75 Jahre alten PM 1910 in den Dienst der ukrainischen Armee? Das Verteidigungsministerium der Ukraine hatte bereits im Jahr 2016 bekannt gegeben, dass es die Freigabe einiger PM 1910 aus Regierungsbeständen genehmigt hat. Eine Prüfung im Jahr 2012 hatte ergeben, dass in der Ukraine 35.000 Maxim in den Reservelagern der Roten Armee aufbewahrt wurden, die zwischen 1920 und 1950 hergestellt worden sind.

Gegenüber dem Nachfolger, dem DS-39, hat das PM 1910 übrigens einen ganz entscheidenden Vorteil: die Wasserkühlung. Die Luftkühlung machte das DS-39 zwar deutlich leichter, als das Maxim, aber es erwies sich im Einsatz vor allem bei Dauerfeuer als nicht sehr zuverlässig. Erst mit dem SG-43 konnten die Fehler der drohenden Überhitzung behoben und die Feuerrate deutlich gesteigert werden.

Im Krieg in der Ukraine hat das PM 1910 dennoch seine Berechtigung. Aus einer festen Stellung kann es bei dauerhafter Kühlung und ausreichend Munition eigentlich ohne Unterlass feuern. Dennoch ist das Maxim kein wirklicher Glücksfall für die Ukraine im Kampf gegen die russische Armee. Eigentlich zeigt es nur, auf welche Mittel man zurückzugreifen muss, um die Angreifer abzuwehren.

Quelle: ntv.de

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