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Neu Delhi warnt vor "Mord" Pakistans Militär verurteilt Inder zum Tod

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Ritualisierte Feindschaft: Indische und pakistanische Soldaten am Grenzübergang Wagah.

(Foto: imago/Xinhua)

An der Demarkationslinie zwischen den Atommächten Pakistan und Indien liegen die Nerven blank. Seit Monaten gibt es immer wieder Schusswechsel. Ein Todesurteil gegen einen indischen Offizier in pakistanischer Gefangenschaft heizt die Spannungen weiter an.

Zum ersten Mal seit Jahren ist ein Inder in Pakistan wegen "Spionage" zum Tode verurteilt worden. Kulbushan Sudhir Jadhav alias Hussein Mubarak Patel wurde nach Armeeangaben von einem Militärgericht schuldig gesprochen, im Auftrag des indischen Geheimdiensts RAW versucht zu haben, Pakistan zu "destabilisieren". Armeechef Qamer Javed Bajwa habe die Todesstrafe gebilligt.

Das Urteil dürfte die Spannungen zwischen den beiden rivalisierenden Atommächten weiter verschärfen. Pakistans diplomatischer Vertreter in Indien wurde für einen förmlichen Protest in das indische Außenministerium einbestellt. In einem Schreiben warnte das Ministerium, Indien werde Jadhavs Hinrichtung als "vorsätzlichen Mord" behandeln. Das Verfahren gegen den ehemaligen Marineoffizier bezeichnete es als "Farce". Indien wirft den pakistanischen Behörden vor, Jadhav aus dem Iran verschleppt zu haben.

Jadhav war pakistanischen Angaben zufolge im März 2016 in der süwestlichen Provinz Balochistan festgenommen worden. Nach Angaben eines Sicherheitsvertreters wurde sein Prozess selbst innerhalb der Armee weitgehend geheim gehalten.

Vier Tote am Sonntag

Zwar kommt es immer wieder vor, dass sich Indien und Pakistan gegenseitig der Spionage bezichtigen und Diplomaten des Landes verweisen. Todesurteile - zumal durch Militärtribunale - hat es jedoch seit Jahren nicht mehr gegeben.

Seit einem tödlichen Rebellenangriff auf ein indisches Militärlager in Kaschmir im vergangenen September sind die Beziehungen zwischen beiden Staaten an einem neuen Tiefpunkt. Seitdem werden immer wieder Schusswechsel entlang der Demarkationslinie gemeldet. Erst am Sonntagabend erschoss die indische Polizei nach eigenen Angaben vier Rebellen, die versuchten, in den indischen Teil der Region vorzudringen.

Die mehrheitlich von Muslimen bewohnte Bergregion ist seit einem Krieg 1947 zwischen Indien und Pakistan geteilt, wird aber bis heute von beiden Staaten vollständig für sich beansprucht. Seit 1989 kämpfen mehrere Rebellengruppen teils für die Unabhängigkeit Kaschmirs, teils für den Anschluss an Pakistan. Pakistan und Indien führten bereits drei Kriege um Kaschmir.

Quelle: n-tv.de, mbo/AFP

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