General Asim MunirTrumps "Lieblingsfeldmarschall" zieht alle Register
Von Hubertus Volmer
Der pakistanische Oberbefehlshaber Asim Munir hat eine Schlüsselrolle in den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA. In die USA hat Munir sehr gute Kontakte. Nach Teheran sind seine Drähte ausbaufähig.
Die Pause im Krieg der USA und Israels gegen den Iran hält nun schon fast drei Wochen. Vor knapp einer Woche verlängerte US-Präsident Donald Trump den Waffenstillstand auf unbestimmte Zeit - nachdem er kurz zuvor gesagt hatte, er werde dies nicht tun.
Dass die Angriffe ausgesetzt sind, dürfte vor allem das Verdienst eines Mannes sein: des pakistanischen Oberbefehlshabers Asim Munir. Die Waffenruhe gilt bereits seit dem 8. April. Drei Tage später begann die erste Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran in Pakistan. Der Ort war kein Zufall: Pakistan hatte sich bereits seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe als Vermittler positioniert.
Das hat einmal ganz praktische Gründe: Staaten "in der militärischen, geheimdienstlichen oder wirtschaftlichen Reichweite Israels" wären als Austragungsort für Verhandlungen aus Sicht des Iran nicht infrage gekommen, sagte Pakistan-Experte Bilal Khan, Gründer der Plattform Quwa Defence News, dem Sender France 24: Die Anreise wäre für sie einfach zu gefährlich. Für Pakistan gilt das nicht.
Munir sei es allerdings gelungen, eine Rolle einzunehmen, die über die des Gastgebers hinausgehe, so Khan. Er sei "Vorsteher" der Verhandlungen, der auch dafür sorge, dass es weitergehe.
Pakistan verhandelt seit Wochen über ein Ende des Kriegs
Diese Rolle hat Pakistan sich erarbeitet. Schon Ende März luden der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif und sein Außenminister Ishaq Dar Vertreter von Saudi-Arabien, Ägypten und der Türkei in die pakistanische Hauptstadt Islamabad ein, um dort Möglichkeiten einer Deeskalation auszuloten. Im Anschluss reiste Dar zudem nach Peking.
Wichtiger noch war nach Einschätzung von Experten der Einfluss des pakistanischen Oberbefehlshabers. Das politische System des Landes ist eine Mischform: Formal ist das Land eine parlamentarische Demokratie, ein Großteil der Macht liegt allerdings beim Militär. Und damit bei Munir, der den Einfluss der Armee in seiner Amtszeit noch steigern konnte und in Pakistan lebenslange Immunität genießt.
An den diplomatischen Initiativen war er federführend beteiligt: "Die Vermittlungsbemühungen wurden hauptsächlich vom Armeechef angeführt, Marschall Asim Munir", zitiert die französische Zeitung "Le Monde" einen Vertreter Pakistans.
Trump mag ihn, die Revolutionsgarde spricht mit ihm
Gleich aus mehreren Gründen ist Munir als Vermittler in einer einzigartigen Position. Der wichtigste: Trump mag ihn. Als der US-Präsident im Oktober die Teilnehmer seines Friedensgipfels im ägyptischen Scharm-el-Scheich einzeln aufrief, nannte er Munir "meinen Lieblingsfeldmarschall". Der Fünf-Sterne-General war nicht einmal anwesend: Trump begrüßte den pakistanischen Premier Sharif und bestellte Munir schöne Grüße.
Zudem hat Munir gute Kontakte nach Teheran. Zur alten Führung der Revolutionsgarden hätten auch Länder wie die Türkei oder Oman Kontakte gehabt, sagt Pakistan-Experte Khan. Von Munir würden sich die USA erhoffen, dass er die neue Führung der Revolutionsgarden an den Verhandlungstisch bringen kann. Tatsächlich sei der Waffenstillstand ein Indiz dafür gewesen, dass Munir "bis zu einem gewissen Grad" das Vertrauen der Revolutionsgarde habe.
Munirs Drähte nach Teheran gehen noch auf seine Zeit als Geheimdienstchef zurück. Diese Kontakte hat er aufgefrischt: Nach dem Scheitern der ersten Verhandlungsrunde reiste Munir für drei Tage nach Teheran - in Uniform und mit Marschallstab in der Hand, mit dem er nicht nur die eigene Bedeutung unterstrich, sondern auch die seiner Gastgeber.
Schmeichelei und Geschäfte
Berichten zufolge hat die neue Führung der Revolutionsgarde allerdings nur wenig Interesse an Verhandlungen mit den USA. Auch Munir konnte daran bislang nichts ändern: Aus dieser neuen Führung habe sich an den Gesprächen in Islamabad bislang niemand beteiligt, sagt Khan, der Munir dennoch "eine Schlüsselfigur in der Region" nennt.
Für das gute Verhältnis zu Trump zieht Munir alle Register von Schmeichelei bis hin zu Geschäften mit Trumps Umfeld. Im vergangenen Jahr schlug die pakistanische Regierung Trump für den Friedensnobelpreis vor; eine Empfehlung, der Munir sich offiziell anschloss. Trump gefiel das offenkundig: Als Munir ihn danach im vergangenen Sommer besuchte, sprachen die beiden zwei Stunden miteinander.
Trump hatte zuvor einen Waffenstillstand im pakistanisch-indischen Konflikt vermittelt - dies ist einer der Kriege, von denen der US-Präsident sich rühmt, sie beendet zu haben. Der pakistanische Journalist Owais Tohid sagte der Deutschen Welle, Trump habe Munir als "Sieger" dieses Kriegs gesehen.
Schon einmal vermittelte Pakistan für die USA
Die zweite Ebene entwickelte Munir spätestens Anfang dieses Jahres über Zach Witkoff, den Sohn von Trumps Sonderbeauftragtem Steve Witkoff. Witkoff-Junior ist Chef von World Liberty Financial, einem Kryptowährungsunternehmen, das von Trumps Familie kontrolliert wird. Im Januar unterzeichneten Munir und Zach Witkoff eine Vereinbarung, wonach Pakistan die Krypto-Währung für grenzüberschreitende Transaktionen nutzen will. Dieser Kontakt sei es gewesen, der Pakistan "auf Steves Radar" geschoben habe, zitiert die "Financial Times" einen Vertreter Pakistans.
Mit seiner Rolle als Vermittler kann Munir nicht nur seinen eigenen Einfluss ausbauen. Ein Ende des Iran-Kriegs ist auch im unmittelbaren Interesse Pakistans. Das Land ist stark von Öl- und Gasimporten aus den Golfstaaten abhängig, auch in Pakistan sind die Spritpreise massiv gestiegen.
Gelingt Munirs Vermittlung, würde sich die Geschichte wiederholen: Pakistan hatte den USA bereits in den 1970er Jahren geholfen, Kontakte zu einem verfeindeten Staat aufzubauen. Der legendäre Besuch von US-Präsident Richard Nixon in China war maßgeblich mit pakistanischer Hilfe zustande gekommen - das Land hatte gute Drähte sowohl nach Washington als auch nach Peking.
Bislang blieb der Durchbruch aus
Die guten pakistanischen Beziehungen zu China sind auch bei den aktuellen Verhandlungen von Bedeutung: Berichten zufolge war es die Volksrepublik, die den Iran davon überzeugte, einen vorläufigen Waffenstillstand zu akzeptieren.
Allerdings ist Munirs Einfluss auf Teheran erkennbar begrenzt. "Bisher versuchen die Pakistaner vor allem, die Iraner zu überreden, sich mit der amerikanischen Position abzufinden", sagte der Iran-Experte Ali Vaez der "Financial Times". Eigene Ideen, wie man zwischen dem Iran und den USA Brücken bauen könnte, würden die pakistanischen Vermittler nicht entwickeln. Statt am Wochenende mit US-Vertretern zu verhandeln, traf sich der iranische Außenminister Abbas Araghtschi mit Vertretern der pakistanischen Regierung, unter anderem mit Munir. Am Montag flog Araghtschi nach St. Petersburg, um mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin zu sprechen. Eine zweite Gesprächsrunde zwischen dem Iran und den USA hat es bislang nicht gegeben.