Politik

Nach Shitstorm für Facebook-Post Palmer schreibt Brief an Bahn-Vorstand

2b2ab4b90a55d9fb2223861ee643427e.jpg

Boris Palmer möchte nun noch mal ganz genau wissen, wie es zu der Kampagne der Bahn kam - und schreibt deswegen einen Brief an den Konzern.

(Foto: imago images / Future Image)

Wegen ihrer Werbekampagne kritisiert der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, die Deutsche Bahn und erntet dafür viel Tadel. Das lässt der streitbare Grüne aber nicht auf sich sitzen und legt nun nach.

Boris Palmer, der Oberbürgermeister Tübingens, hat sich nach seiner umstrittenen Kritik an einer Werbung der Deutschen Bahn schriftlich an den Bahn-Vorstand gewendet. Darüber berichtet die "Zeit". "Ich habe einen Brief an Bahnvorstand Ronald Pofalla geschrieben. Solche Kampagnen werden in einem Großunternehmen nach meiner Erfahrung intensiv geplant und diskutiert. Ich will wissen, ob der Vorstand mit der Entscheidung befasst war und ob man sich ihrer möglichen Konsequenzen bewusst ist", so Palmer im Gespräch mit der Wochenzeitung.

Eine Entschuldigung zu seinem Facebook-Post folgte in dem Gespräch nicht, auch wenn Palmer Fehler einräumt. "Das Ganze war ein Schnellschuss. Ich habe keine zwei Minuten, nachdem ich die Werbung eher zufällig im Internet entdeckt hatte, drei Sätze dazu auf Facebook gepostet." Und weiter: "Das war fahrlässig, ich hätte mein Anliegen besser begründen müssen", sagte er dem Blatt. Das Ergebnis sei "Bockmist".

Inhaltlich bleibt Palmer aber bei seiner Kritik an der Kampagne. "Die Mehrheitsgesellschaft kommt praktisch nicht vor", so Palmer. Das spalte die Gesellschaft. "Bei den Menschen, die ohnehin fürchten, dass sie übergangen werden (…), löst die Kampagne Abwehrreflexe aus", sagte er.

Roth legt Palmer Parteiaustritt nahe

Palmers Post Ende April zu der Bahn-Kampagne hatte einen Shitstorm ausgelöst. Aus den Reihen seiner eigenen Partei waren sogar Parteiausschluss-Forderungen laut geworden. Palmer habe sich "mittlerweile als rechtspopulistischer Pöbler etabliert", schrieb eine Gruppe Berliner Grünen-Politiker in einem offenen Brief. Palmer wies die Forderung seiner Partei-Kollegen wiederum scharf zurück. "Ich halte das für den Ausdruck einer antidemokratischen Debattenverweigerung", sagte er. "Ich vertrete die Werte dieser Partei gegen solche Meinungstyrannen und lasse mich dadurch in keiner Weise beeindrucken."

Die Bundestagsvizepräsidentin und frühere Grünen-Chefin Claudia Roth warf Palmer unterdessen "Rassismus" vor und legte ihm nahe, die Grünen zu verlassen. "Ich glaube, er hat sich Lichtjahre von den Grünen und vielen ihrer Grundüberzeugungen entfernt", sagte Roth der "Augsburger Allgemeinen" laut Vorabmeldung. "Niemand wird ihn davon abhalten, sich einen Ort zu suchen, an dem er sich politisch wohler fühlt."

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP

Mehr zum Thema