Politik

Debatte um "Schwarze Pädagogik" Palmer verteidigt Einschreiten auf Spielplatz

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Boris Palmer ist seit 2007 Oberbürgermeister der Stadt Tübingen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Weil ihm der Erziehungsstil eines Zuwandererpaares missfällt, greift Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer kurzerhand ein. Später berichtet er auf Facebook von seinem Handeln und bedient sich dabei der Bezeichnung "Schwarze Pädagogik" - ein Streitthema.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat mit seinem Eingreifen in die Erziehung eines Zuwandererpaares auf einem Spielplatz für Aufregung gesorgt. Auf seiner Facebook-Seite berichtet der Grünen-Politiker unter der Überschrift "Schwarze Pädagogik auf dem Spielplatz" von den Geschehnissen und schreibt: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass man Eltern, die wenige Jahre hier leben, erklären muss, wie Erziehung bei uns funktioniert." Sobald Kindern physisch oder seelisch schwerer Schaden angetan werde, müsse man sich einmischen.

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Palmer hatte auf einem Tübinger Spielplatz einen Mann beobachtet, der einen rund zwei Jahre alten Jungen immer weiter auf einer Schaukel anschubste, obwohl dieser laut Palmer dabei weinte und schrie. Die Mutter des Jungen im schwarzen Kopftuch und Umhang habe zugeschaut, schrieb Palmer. Der Oberbürgermeister forderte daraufhin den Mann auf, das zu beenden.

Facebook-User diskutieren Einschreiten

Palmer löste mit seinem Facebook-Post eine Diskussion mit inzwischen knapp 800 Kommentaren aus, weil er das Verhalten des Paares auch in einen kulturell bedingten Zusammenhang setzte und als Methode der sogenannten schwarzen Pädagogik kritisierte. Der Begriff bezeichnet im geläufigen Gebrauch einen einschüchternden Erziehungsstil.

"Die Eltern waren erkennbar der Meinung, das schreiende Kind soll so lernen, mit der Angst umzugehen. So erzieht man Jungs zu harten Männern", schrieb Palmer. Schwarze Pädagogik sei weder christlich noch muslimisch, aber ziemlich schlimm für die Kinder. "Wenn wir uns einig sind, dass das bei den Nazis falsch war, warum sollte es dann heute nicht möglich sein, es bei Einwanderern auf dem Spielplatz falsch zu finden?", so der Oberbürgermeister.

In zahlreichen Kommentaren wird Palmer für sein Eingreifen und seine "Zivilcourage" gelobt. Viele Facebook-Nutzer kritisieren aber auch sein Verhalten und werfen dem 46-Jährigen vor, falsche Zusammenhänge zur Nazi-Zeit herzustellen und Propaganda zu betreiben. Palmer rechtfertigte sein Handeln damit, dass er als Vater und "nicht als 'Hilfssheriff'" eingegriffen habe. Er hat aus zwei Beziehungen einen Sohn und eine Tochter.

Quelle: n-tv.de, lsc/dpa

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