Politik

Studie zu weltweiten Konflikten Pandemiefolgen bedrohen den Frieden

imago0101363269h.jpg

Als Folge der Pandemie könnten einige Kriege und Konflikte wieder neu befeuert werden.

(Foto: imago images/Xinhua)

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie bedrohen laut einer neuen Studie des Institute for Economics and Peace den Frieden. Künftig eingesparte Gelder für die Entwicklungshilfe und UN-Missionen könnten demnach einige regionale Konflikte wieder anfachen.

Die ökonomischen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie könnten negative Folgen für den Frieden in vielen Ländern haben. Das geht aus dem neuen Global Peace Index hervor. Die Studie der Denkfabrik Institute for Economics and Peace (IEP) bewertet jedes Jahr die Lage in mehr als 160 Ländern der Welt anhand von Kriterien wie beispielsweise Krieg, Terrorismus, Polizeigewalt und Waffenexporten.

In diesem Jahr ergänzten die Experten den Bericht zudem um eine Analyse der möglichen Folgen der Coronavirus-Pandemie auf den Frieden in der Welt. Insgesamt verzeichnete das IEP weltweit einen Rückgang friedlicher Verhältnisse in neun von zwölf der vergangenen Jahren. Das gilt auch für 2019. "Die Welt ist erheblich weniger friedlich, als sie 2008 war", heißt es in dem Bericht. Dabei sei aber eine Zweiteilung zu beobachten in Gruppen von je 80 Ländern.

Bei der einen Gruppe verbesserte sich demnach die Situation, bei der anderen wurde sie schlechter. Während die Todesfälle durch Terrorismus und die Intensität von Konflikten abnehmen, gibt es immer mehr gewaltsame Ausschreitungen. Die Coronavirus-Pandemie dürfte die Situation weiter verschlimmern, schätzen die Experten. "Das IEP identifiziert die wirtschaftlichen Auswirkungen von Lockdowns als erhebliche Bedrohung für den Frieden", heißt es in dem Bericht.

Es müsse mit Kürzungen bei der Entwicklungshilfe und bei der Finanzierung von UN-Friedensmissionen gerechnet werden. Das könne anfällige und von Konflikten betroffene Länder wie Liberia, Afghanistan und Südsudan weiter destabilisieren. Zudem seien Staaten wie Brasilien, Pakistan und Argentinien durch wirtschaftliche Turbulenzen einem erhöhten Risiko durch politische Instabilität, Unruhen und Gewalt ausgesetzt. Der einzige positive Effekt der Coronavirus-Pandemie sei möglicherweise, dass Stellvertreter-Kriege schwieriger zu finanzieren sein könnten, so die Experten. Es bleibe aber abzuwarten, ob sich das Engagement Saudi-Arabiens im Jemen oder Russlands in Syrien verringere.

Deutschland weltweit auf 16. Platz

Deutschland stieg im Ranking der friedlichsten Länder seit dem vergangenen Jahr um sechs Plätze nach oben und steht nun an 16. Stelle. Die Schweiz ist unverändert auf dem zehnten Platz und Österreich wie im vergangenen Jahr auf Platz vier. Das dem Index zufolge friedlichste Land der Welt ist Island. An letzter Stelle steht Afghanistan.

Die Verbesserung in Deutschland gehe auf eine ganze Reihe von Indikatoren zurück, sagte IEP-Gründer Steve Killelea. Dazu gehörten eine Abnahme von Waffenexporten, eine geringere Zahl an Tötungsdelikten sowie ein Rückgang terroristischer Vorfälle. Auch weltweit ist die Zahl der Toten durch terroristische Angriffe rückläufig. Waren es 2015 noch etwa 33.500, starben im vergangenen Jahr noch 8000 Menschen durch Terrorismus. In 100 Ländern gingen zudem die Militärausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt zurück, in 133 Staaten sank der Anteil der Militärangehörigen gemessen an der Gesamtbevölkerung.

Eine Zunahme war dagegen bei Unruhen zu beobachten. Im Jahr 2019 waren fast 60 Prozent aller Länder von gewaltsamen Protesten betroffen. Die IEP-Experten beobachteten hier einen Langzeit-Trend: Die Zahl der Ausschreitungen weltweit hat sich demnach in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdreifacht. Die ökonomischen Kosten von Gewalt und Konflikten im Jahr 2019 bezifferte das Institut weltweit auf 14,5 Billionen US-Dollar (umgerechnet rund 12,8 Billionen Euro).

Quelle: ntv.de, sgu/dpa