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Vorwurf der Tierquälerei Peta-Aktivisten zeigen CDU-Politiker an

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Johannes Röring in seinem Schweinestall in Vreden.

picture alliance / dpa

Es sind verstörende Bilder, die Tierschützer in den Zuchtbetrieben dreier CDU-Politiker und Bauernlobbyisten aufnehmen: Verletzte Schweine werden in verdreckten Ställen gehalten. Die Ammoniak-Werte sind viel zu hoch. Doch die Stallbesitzer sehen sich im Recht.

Die Tierschutzorganisation Peta erhebt nach einem Bericht des Magazins "Spiegel" schwere Vorwürfe gegen den Bauernpräsidenten von Westfalen-Lippe, Johannes Röring. Der CDU-Bundestagsabgeordnete soll in seinem Familienbetrieb in Vreden gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben. Dem Bericht zufolge hat Peta bereits Strafanzeige gestellt - allerdings nicht nur gegen Röring, sondern auch gegen zwei weitere Landwirtschaftsfunktionäre und Politiker. So sollen auch in den Ställen von Franz-Josef Holzenkamp, dem Aufsichtsratsvorsitzenden beim Agrarmulti Agravis Raiffeisen, und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Josef Rief bedenkliche Zustände herrschen.

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Filmaufnahmen aus den Schweinezuchtbetrieben sollen Tiere mit riesigen Nabelbrüchen und blutig gebissenen Schwanzstummeln zeigen. In den Gängen lägen demnach tote, verwesende Tiere, bei einem sollen die Innereien ausgetreten sein. Ähnliches hatten zuvor auch Aktivisten der Tierschutzorganisation "Animal Rights Watch" (Ariwa) beobachtet, die ihre Aufnahmen vom vergangenen Jahr aus dem Betrieb von Röring dem NDR und der "Süddeutscher Zeitung" zuspielten. Auf den Bildern sind ebenfalls schwer verletzte Tiere zu sehen, die teilweise nicht mehr aufstehen können oder nur mühsam vorwärts robben können.

Laut Prof. Matthias Gauly, Veterinärwissenschaftler an der Universität Bozen, zeige dies "die schlechteste Form der Schweinehaltung, die man sich vorstellen kann mit einem hohen Potenzial an Tierleid" und "mit katastrophalen hygienischen Bedingungen". So seien laut den Tierschützern nicht nur die Ställe stark verdreckt und die Ammoniak-Werte doppelt so hoch wie erlaubt - auch ein totes Tier sei auf den Ariwa-Aufnahmen zu sehen, das mehr als einen Tag liegengelassen und von anderen Schweinen angefressen worden sei.

Röring wirft Aktivisten Manipulation vor

Röring selbst bestritt die Vorwürfe. Die Haltungsbedingungen im Stall seien zum Zeitpunkt der Bildaufnahmen "einwandfrei" gewesen, erkrankte Tiere wären sofort behandelt worden, ließ er mitteilen. Den Tierschützern warf Röring vor, den Schweinekadaver "erst kurz vor der Aufnahme in das Abteil gelegt" zu haben, um es dann zu fotografieren. Auch dem "Spiegel" erklärte der Abgeordnete, keine Rechtsverstöße erkennen zu können.

Josef Rief berief sich dem Bericht zufolge seinerseits auf den Amtsveterinär, der ihm die "Ordnungsmäßigkeit" der Schweinehaltung bestätigt habe. Lediglich Franz-Josef Holzenkamp räumte auf "Spiegel"-Nachfrage ein, dass er Gelenkentzündungen oder Schwanzbeißen nur schwer verhindern könne. Er versuche aber, das Wohlbefinden der Tiere zu verbessern.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, erklärte: "Die grausigen Enthüllungen zeigen einmal mehr, wie heuchlerisch und hohl die Phrasen der Agrarlobbyisten beim Tierschutz sind." Hofreiter forderte strengere Gesetze zum Tierschutz sowie echte Strafen bei Verstößen. "Wir brauchen eine umfassende, grundlegende Wende in der Tierhaltung."

Quelle: n-tv.de, jug

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