Politik
Für Petry war die "Causa Gedeon" ein Wendepunkt.
Für Petry war die "Causa Gedeon" ein Wendepunkt.(Foto: imago/Max Stein)
Freitag, 29. September 2017

Ex-AfD-Chefin greift Gauland an: Petry ist wieder "sie selbst"

Frauke Petry inszeniert ihren Abgang aus der AfD: Nach Eklat in der Pressekonferenz und TV-Auftritt gibt sie nun ein Interview. Darin wirft sie der Parteiführung vor, den Rechtsruck zugelassen zu haben. Ohne den läge die AfD bei 30 Prozent, glaubt sie.

Die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat ihren Widersacher Alexander Gauland scharf angegriffen. Erst jetzt, nach ihrem Rückzug, schwenke Gauland und seine Mit-Spitzenkandidatin Alice Weidel "auf die realpolitische Strategie ein, die ich für die Partei seit langem gefordert habe", sagte Petry der "Zeit". Sie müsse deshalb vermuten, "dass es hier wohl mehr um die Erlangung von Posten als um politische Überzeugungen ging".

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Petry beklagt, dass die rechte Gruppe "Der Flügel" um den Thüringer Björn Höcke bereits 2015 "die nächste Revolution" geplant habe. Petry hatte im Sommer des Jahres in einer Kampfabstimmung gegen den damaligen Vorsitzenden Bernd Lucke gewonnen, was bereits als Rechtsruck zu werten war. Petry stellt es in dem "Zeit"-Interview so dar, als hätte sie sich geopfert, weil "letztlich kein anderer das persönliche Risiko eingehen wollte". Gauland hätte danach dafür gesorgt, dass die Partei nun nicht mehr zu führen sei. "Er gibt das auch offen zu - er nennt die AfD ja einen 'gärigen Haufen'", so Petry.

Die letzten Liberalen wie Beatrix von Storch würden es schwer haben, prophezeit Petry. Bei der Zäsur vor zwei Jahren sei es eigentlich um Luckes Kurs reiner EU- und Euro-Kritik gegangen. Sie selbst habe geglaubt, das kurzfristig gestärkte Höcke-Lager durch einen Zustrom neuer Mitglieder kompensieren zu können. Der Antisemitismus-Eklat um den Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon hätte diese Entwicklung gestoppt.

Potenzial von 30 Prozent - "ohne verbale Ausfälle"

Über den Rechtsruck der AfD sagt die Sächsin, sie habe ein Jahr lang "unter Mühen" dazu geschwiegen. Das Wahlergebnis der Partei sei nicht den Rechten zu verdanken, sondern dem ideenlosen Wahlkampf der restlichen Parteien. Sie sehe das Potential für konservative Politik, "also ohne verbale Ausfälle", bei 30 Prozent. Die "Hinwendung zum Ethnopatriotismus" eines Höcke oder André Poggenburg nennt sie "nicht zielführend". Gleichzeitig sieht Petry bei der AfD auch "sozialpatriotische Tendenzen" wie eine Zustimmung zum Mindestlohn, was sie ebenfalls ablehne.

Als Einzelabgeordnete im Bundestag glaubt Petry nicht, allein zu bleiben. Sobald eine parlamentarische Gruppe entstanden sei, wolle sie Anträge einbringen und diskutieren. Mitglieder der AfD, die sich nicht von ihr distanzierten, würden jetzt gemobbt; trotzdem sei sie zuversichtlich, dass sie Mitstreiter bekommen werde.

Ihren Abgang vor laufenden Kameras in der Bundespressekonferenz am Montag nach der Wahl erklärte Petry mit einem "kleinen Zeitfenster". Sächsische Widersacher hätten noch vor Schließung der Wahllokale eine Pressekonferenz einberufen, um Disziplinarmaßnahmen gegen sie zu fordern. Trotzdem habe sie seit Langem erstmals wieder das Gefühl, "ich selbst zu sein".

Petry schwebt nach ihrem Austritt aus der AfD, den sie an diesem Freitag vollziehen wollte, nicht die Gründung einer neuen Partei vor. "Wir führen aktuell vor allem Gespräche außerhalb der AfD, da diese sich leider vieler Zugänge zu interessanten Wählergruppen selbst beraubt hat", sagte Petry mit Blick auf die auch von ihrem Ehemann Marcus Pretzell angekündigte Gründung einer neuen Bewegung nach dem Vorbild von En Marche in Frankreich. Große Parteien seien zu unflexibel. Ihre Kernthemen umschreibt sie mit "europäischem Kulturpatriotismus" und Islamkritik.

Quelle: n-tv.de

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