Politik

Anschläge in Berlin-Neukölln Polizei fasst rechtsextreme Serientäter

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Eines der ausgebrannten Autos in Neukölln.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Nach mindestens 72 Straftaten im Stadtteil Neukölln, darunter mehr als 20 Brandstiftungen, führten Spuren die Berliner Polizei ins rechtsextreme Milieu. Doch lange fehlen für eine Festnahme die Beweise. Erst mit zwei Jahren Verspätung sitzen nun zwei polizeibekannte Neonazis in Haft.

Die Berliner Polizei hat zwei Verdächtige festgenommen, die für eine Serie rechtsextremistischer Anschläge in Berlin-Neukölln verantwortlich sein sollen. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft auf Twitter mit. Bei der Anschlagsserie geht es um mehrere Dutzend Straftaten wie Brandstiftungen und Drohungen vor allem zwischen 2016 und 2018. Die Polizei hatte bereits seit längerer Zeit Männer aus der rechtsextremen Szene verdächtigt, konnte ihnen aber bislang nichts nachweisen.

Nach Informationen des RBB handelt es sich bei den Verdächtigen um zwei polizeibekannte Neonazis, die seit Längerem im Fokus der Ermittlungsbehörden stehen. Grund für die Verhaftungen vom heutigen Mittwoch sollen Brandanschläge auf die Autos des linken Bezirkspolitikers Ferat Kocak und des Buchhändlers Heinz Ostermann im Februar 2018 gewesen sein.

Die Straftaten in Berlin-Neukölln hatten sich gegen Menschen und Initiativen gerichtet, die sich öffentlich gegen Rechtsextremismus engagieren. Täter zündeten Autos von bekannten Mitgliedern linker Parteien und Einrichtungen an, verschickten Drohungen und beschädigten linke Treffpunkte. Die Polizei rechnet der Anschlagsserie insgesamt 72 Straftaten zu - darunter Brandanschläge, Körperverletzungen und eingeschlagene Scheiben.

"Versäumnisse und Pannen"

Die Anschlagsserie löste auch eine politische Debatte aus, es war von Ermittlungspannen die Rede. Weil die Berliner Polizei trotz jahrelanger Ermittlungen keine Täter fassen konnte, wurde im Frühjahr 2019 eine zusätzliche Ermittlungsgruppe eingesetzt. Außerdem wurden im Oktober dieses Jahres zwei Sonderermittler mit dem Fall beauftragt. Sie sollten die Taten erneut untersuchen, die gesamten Ermittlungen dazu prüfen und mögliche Fehler der Polizei herausarbeiten.

Berlins Innensenator Andreas Geisel hatte zuvor "Versäumnisse und Pannen bei der Aufklärung" eingeräumt. So wurden Opfer nicht gewarnt, obwohl Verfassungsschutz und Polizei wussten, dass sie von den verdächtigen Neonazis ausgespäht wurden. Polizeipräsidentin Barbara Slowik räumte im Herbst ein, dass die damalige Ermittlergruppe der Kriminalpolizei in Neukölln zu klein und das Personal "nicht ausreichend" gewesen sei.

Quelle: ntv.de, chr/dpa