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Deutschlandweit Razzien Polizei führt großen Schlag gegen Neonazi-Szene

Beamte des SEK sind in Berlin im Einsatz. Foto: picture alliance/dpa/Symbolbild

Deutschlandweit sind Beamte im Einsatz (Archivbild).

(Foto: picture alliance/dpa/Symbolbild)

Das Bundeskriminalamt geht an diesem Morgen in großem Stil gegen Neonazis vor. In fast ganz Deutschland durchsuchen Ermittler Wohnungen, mehrere Verdächtige werden festgenommen. Laut Polizei wollten sie eine terroristische Vereinigung bilden.

Ermittler sind am Morgen zu einer Großrazzia gegen mutmaßliche militante Neonazi-Netzwerke ausgerückt. Hunderte Beamtinnen und Beamte durchsuchten die Wohnungen von 50 Verdächtigen in elf Bundesländern - insgesamt 61 Objekte, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe sagte. Drei Männer - Leon R., Maximilian A. und Eric K. - wurden im thüringischen Eisenach und einer - Bastian A. - in Rotenburg an der Fulda in Hessen festgenommen.

Sie werden verdächtigt, Teil der rechtsextremen Kampfsportgruppe "Knockout 51" zu sein. Leon R. soll die Gruppe anführen, die übrigen Verdächtigen sollen ebenfalls führende Positionen innehaben. Es handle sich um eine Gruppe, die "unter dem Deckmantel des gemeinsamen körperlichen Trainings junge, nationalistisch gesinnte Männer anlockt, diese bewusst mit rechtsextremem Gedankengut indoktriniert und für Straßenkämpfe ausbildet", teilte die Bundesanwaltschaft mit.

Die Trainings fänden in den Räumen der Landesgeschäftsstelle der NPD in Eisenach statt. "Knockout 51" sei vor allem in Thüringen aktiv und außerdem überregional mit anderen Rechtsextremen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg vernetzt.

Ordnungsmacht im "Nazi-Kiez"

In Eisenach soll die Gruppe versucht haben, einen "Nazi-Kiez" zu etablieren und dort die Ordnungsmacht zu werden. Seit etwa einem Jahr habe sie dort "Kiezstreifen" unternommen. "Dabei ging es einerseits um die Demonstration von Abwehrbereitschaft gegen potenzielle Übergriffe aus dem 'linken' Lager, zugleich aber auch um die gezielte Provokation von Gewalt sowie den aktiven Kampf gegen den politischen Gegner", erklärte die Bundesanwaltschaft.

Die vier Verdächtigen hätten im Rahmen ihres Auftritts "als selbst propagierte Ordnungsmacht" mehrmals andere Menschen teils schwer verletzt. Die Vereinigung sei insgesamt auf die Begehung von "erheblichen" Straftaten ausgerichtet. Menschen aus dem politisch linken Spektrum, aber auch Polizisten sollten verletzt werden. Für den Einsatz gegen "Linke" sei auch der Einsatz von Hieb- und Stichwaffen vorgesehen.

Im November habe Leon R. zum Schein die Auflösung der Vereinigung verkündet. Seitdem würden Anwärter auf sein Geheiß in die Jugendorganisation der NPD eintreten, hieß es weiter.

Terroranschläge, "Rassenkrieg" und Zerstörung der Demokratie

Weitere Beschuldigte sollen die inzwischen verbotene rechtsextreme Gruppe "Combat 18" weitergeführt haben. Andere sollen Mitglieder der rechtsextremen "Atomwaffen Division Deutschland" oder des "Sonderkommandos 1418" gewesen sein. Ziel dieser Chatgruppe sei es gewesen, "Anhänger für terroristische Anschläge zum 'Rassenkrieg' und zur Zerstörung bestehender demokratischer Systeme unter Ersetzung durch ein neofaschistisches System zu gewinnen", erklärte die Behörde in Karlsruhe.

Gegen die beiden letztgenannten Gruppen sei aufgrund von Erkenntnissen des Verfassungsschutzes seit September 2019 ermittelt worden. Einer der Beschuldigten sei Leon R. gewesen. Im Lauf der Ermittlungen hätten sich "Anhaltspunkte für personelle Verbindungen von Beschuldigten in die rechtsextreme Kampfsport- und Musikszene ergeben".

Die vier Festgenommenen sollen am Mittwoch und Donnerstag dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden, der über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheidet.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP

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