Politik

Nach Schüssen vor Schwulen-Bar Polizei in Oslo ermittelt wegen "Terrorakts"

Durch Schüsse nahe einer Schwulen-Bar am Vorabend der Pride-Parade werden in Oslo zwei Menschen getötet. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus und betrachtet den Fall als terroristischen Angriff.

Am Vorabend der Pride-Parade in Oslo sind bei Schüssen unter anderem vor einer bekannten Schwulen-Bar zwei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, bei ihm handelt es sich laut Polizei um einen dem Inlandsgeheimdienst bekannten Norweger iranischer Abstammung. Die Polizei ermittelt nun wegen Terrorverdachts. Die Pride-Parade am Samstag wurde vorsorglich abgesagt.

Die Schüsse fielen gegen 1.00 Uhr Ortszeit (MESZ) im Zentrum der norwegischen Hauptstadt in der Nähe des Schwulen-Clubs "London Pub" und eines Jazz-Clubs sowie eines Imbissstands. Nach jüngsten Angaben der Polizei waren unter den Opfern auch zehn Schwerverletzte.

"Er schien sehr sicher zu sein, worauf er zielt", sagte eine Augenzeugin der Zeitung "Verdens Gang" über den Täter. Ein anderer Zeuge sagte dem Blatt, der Mann habe mit einer automatischen Waffe gefeuert, der Tatort habe ausgesehen "wie ein Kriegsschauplatz". Am Boden hätten mehrere Menschen mit Kopfverletzungen gelegen. Man gehe stark von Hasskriminalität aus, sagte Inspektor Tore Soldal.

Täter polizeibekannt

Bei dem Angreifer soll es sich um einen Norweger mit iranischen Wurzeln handeln. Der Nachtclub "London Pub" - das Hauptziel der Angriffe - gilt in Oslo als beliebter Treffpunkt für Schwule, Lesben und andere Angehörige der queeren Szene. Auf der eigenen Internetseite beschreibt sich der Club als beste "Gay Bar" der Stadt und "Schwules Hauptquartier seit 1979". Eigentlich wollten dort viele ins Wochenende hineinfeiern: Am Samstag hätte in Oslo nach Absagen wegen der Corona-Pandemie erstmals wieder eine "Pride-Parade" stattfinden sollen - sie fiel jetzt wieder aus.

Das "London Pub" war nicht der einzige Tatort - auch an anderen Orten der Partymeile fielen Schüsse. Noch in der Nacht nahm die Polizei einen Verdächtigen in der Nähe des Tatorts fest. Dabei hätten anwesende Zivilisten geholfen. Ermittler Christian Hatlo sagte der norwegischen Zeitung "VG", der 42-Jährige sei zuvor schon straffällig geworden. Wegen Drogendelikten sei er zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. In der Nacht durchsuchte die Polizei seine Wohnung. Zu Einzelheiten wollten sich die Ermittler am Samstagnachmittag äußern.

In Norwegen löste die Tat Entsetzen aus. König Harald V. rief seine Landsleute auf, zusammenzustehen. Es gelte, gemeinsame Werte wie Freiheit, Diversität und Respekt füreinander hochzuhalten, damit alle sich sicher fühlen könnten. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl nach einem "grausamen und zutiefst schockierenden Angriff" aus. Der queeren Gemeinschaft versicherte der Sozialdemokrat: "Wir stehen an eurer Seite." Die frühere konservative Regierungschefin Erna Solberg sagte, die Freiheit, zu lieben, wen immer man möge, sei attackiert worden.

Absperrband statt "Pride"-Kostümen

Die Organisatoren von Oslos "Pride Parade", die eigentlich am Samstag ihre 40. Parade feiern wollten, sagten auf Anraten der Polizei die gesamte Veranstaltung ab. "Wir werden bald wieder stolz und sichtbar sein", sagte "Pride"-Chefin Kristin Haugsevje. Nun wolle man aber innehalten und den Angehörigen der Opfer Liebe und gute Wünsche senden. Oslos Bürgermeisterin Marianne Borgen hatte erst am Freitagabend davon berichtet, wie sehr sich die Stadt nach Jahren der Pandemie auf die Parade freue.

Am Samstagmorgen war auf der Feiermeile im Zentrum statt "Pride"-Kostümen viel Absperrband zu sehen. Die Polizei sperrte die Gegend um die "London Bar" großräumig ab. Der norwegische Geheimdienst PST schrieb auf Twitter, es gebe keine Anzeichen auf weitere geplante Gewalttaten.

Quelle: ntv.de, mba/AFP

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