Politik

Richtungswahl in Kanada Prognosen sehen Premier Trudeau vorn

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Justin Trudeau gab im Beisein seiner Familie seine Stimme ab.

(Foto: REUTERS)

Die Konservativen fahren einen Anti-Trudeau-Wahlkampf. Der kanadische Ministerpräsident liefert aber auch genug Angriffspunkte für seine Gegner. Dennoch scheinen seine Liberalen ersten Prognosen zufolge wieder die stärkste Kraft im Parlament zu werden.

Die Liberalen von Premierminister Justin Trudeau sind bei der Parlamentswahl in Kanada erneut stärkste Kraft geworden, haben ihre absolute Mehrheit aber verloren. Das prognostizierte der öffentliche TV-Sender CBC. Das Ergebnis bedeutet, dass die Liberalen zum Regieren die Duldung durch kleinere Parteien brauchen, beispielsweise den Sozialdemokraten oder den Grünen. 2015 hatten Trudeaus Liberale 184 Sitze im Parlament gewonnen und seitdem mit dieser absoluten Mehrheit regiert.

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Schon im Vorfeld hatte sich ein knappes Rennen zwischen Trudeau und seinem konservativem Herausforderer Andrew Scheer abgezeichnet. Rund 27 Millionen Bürger waren in dem G7-Land dazu aufgerufen, neue Abgeordnete zu wählen. Die Abgeordneten werden per Direktwahl nach dem Mehrheitsprinzip gewählt.

US-Präsident Donald Trump gratulierte Trudeau bereits. Mit dem "hart erkämpften Sieg" sei Kanada gut bedient. "Ich freue mich darauf, mit Ihnen an der Verbesserung unserer beiden Länder zu arbeiten", schrieb Trump auf Twitter. Das Verhältnis von Trump zu Trudeau war in den vergangenen Jahren nicht immer einfach. Der US-Amerikaner hatte den Kanadier beim G7-Gipfel 2018 in Québec brüskiert, indem er seine Unterstützung für die Gipfelerklärung im Nachhinein zurückzog und ihm "falsche Aussagen" unterstellte.

Trudeau selbst beschwor nach seinem sich abzeichnenden Sieg die Einigkeit des Landes: "Unser Team wird für alle Kanadier kämpfen", sagte er in Montréal. An seine Kritiker gewandt meinte der 47-Jährige, er habe ihre Enttäuschung vernommen und werde sicherstellen, dass ihre Stimme gehört werde: "Wir werden zusammen vorwärts gehen in eine bessere Zukunft." Die liberale Regierung werde fortsetzen, was sie in den vergangenen vier Jahren begonnen habe. Dazu gehörten die Kämpfe gegen den Klimawandel und Waffengewalt.

Skandale sorgen für Aufsehen

Die Bilanz der liberalen Regierung nach vier Jahren ist durchwachsen. Zwar hat er wie versprochen Marihuana legalisiert und mehr als 25.000 syrische Flüchtlinge im Land aufgenommen. Einige seiner Wahlversprechen wie eine Wahlrechtsreform oder einen ausgeglichenen Haushalt bis 2019 konnte er aber nicht halten.

Zudem sorgte Trudeau in den vergangenen Monaten mit Skandalen für Aufsehen. Dabei ging es unter anderem um ein altes Foto von ihm, das ihn vor 20 Jahren mit dunkel geschminktem Gesicht - verkleidet als Aladdin - auf einer Party zeigte. Der Ministerpräsident entschuldigte sich für sein "rassistisches" Verhalten.

Scheer beschuldigte Trudeau auch deshalb, das kanadische Volk über sein wahres Wesen zu täuschen, und beschimpfte ihn als "Betrüger". Ein großes Thema im Wahlkampf war auch der Kampf gegen die Klimakrise: Während die Konservativen ankündigten, Trudeaus CO2-Steuer zurückdrehen zu wollen, musste die Regierung von links viel Kritik dafür einstecken, dass die Maßnahmen angeblich nicht weit genug gingen.

Quelle: n-tv.de, bad/fzö/dpa

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