Politik

Polizei greift rigoros durch Protest gegen Neonazi-Aufmarsch in Dresden

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Polizisten trugen die Gegendemonstranten von der Straße.

(Foto: dpa)

Neonazis missbrauchen den Jahrestag des Bombenangriffs auf Dresden erneut für einen Aufmarsch in der Elbestadt. Mit lauter Popmusik, Sprechchören und Sitzblockaden wollen Dresdner Gesicht zeigen und den Aufmarsch der Rechten blockieren.

Rund 1000 Menschen haben lautstark und friedlich gegen einen Aufmarsch von rund 1000 Neonazis in der Dresdner Innenstadt protestiert. Mehrere Sitzblockaden sollten am Freitagabend den angemeldeten Zug der Rechten stoppen. Am Rande davon kam es immer wieder zu Rangeleien, Polizisten gingen dabei rigoros gegen Demonstranten vor und trugen sie von der Straße.

Die Polizei hat 18 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Unter anderem werde wegen Verstößen gegen das Versammlungsrecht und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt, in einem Fall auch wegen Körperverletzung und Bedrohung von Polizisten, sagte ein Polizeisprecher.

Die Rechtsextremen liefen wie jedes Jahr in Erinnerung an die Zerstörung der Elbestadt durch alliierte Bomber im Februar 1945 in einem sogenannten Trauermarsch schweigend zu klassischer Musik am Rande der Innenstadt entlang - in Sicht- und Hörweite von lauter Popmusik, Sprechchören und Trillerpfiffen der Gegendemonstranten. Das Bündnis "Dresden nazifrei" und ein Verbund der bürgerlichen Mitte aus Stadt, Kirchen, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft hatte dazu aufgerufen, "Gesicht zu zeigen".

Die Polizei war mit einem Großaufgebot unterwegs. Ein Hubschrauber überwachte das Geschehen aus der Luft, die Lager wurden konsequent getrennt. Als Reaktion auf Kritik, die Arbeit von Journalisten eingeschränkt zu haben, bat die Polizei auf Twitter unter @PolizeiSachsen um entsprechendes Material, "damit wir die Situation auswerten können".

Auch wenn die Aufmärsche der Neonazis in jüngerer Vergangenheit deutlich weniger Zulauf hatten als noch vor zehn Jahren, bleibt der Missbrauch des Dresdner Gedenkens durch Rechtsextreme für die Stadt ein großes Ärgernis und Problem. Bei den offiziellen Gedenkfeiern am Mittwoch hatten rund 11.500 Teilnehmer eine Menschenkette um die Innenstadt gebildet - als eine Art Schutzring vor den Ewiggestrigen. Mehrere Redner hatten die Umtriebe Rechtsextremer an diesem Tag und die Relativierung der NS-Verbrechen angeprangert.

Quelle: ntv.de, ftü/dpa