Schlüsselstadt im DonbassPutin feiert Eroberung von Kostjantyniwka

Kremlchef Putin verkündet die vollständige Einnahme der strategisch wichtigen Frontstadt Kostjantyniwka in der Region Donezk. Allerdings gab es bereits im Juni ähnliche Siegesmeldungen. Kiew bestätigt den Fall bislang nicht.
Kremlchef Wladimir Putin hat nach offizieller Darstellung die Eroberung der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka im Gebiet Donezk durch seine Truppen gefeiert. Die Industriestadt sei unter hohen Verlusten für die ukrainischen Verteidiger erobert worden, wurde Putin von seinem Sprecher Dmitri Peskow zitiert. "Kostjantyniwka ist komplett eingenommen. Die Stadt steht nun vollständig unter unserer Kontrolle", sagte der Kremlsprecher vor Journalisten.
Die Stadt, die vor dem Krieg 78.000 Einwohner zählte, war seit Ende 2025 schwer umkämpft. Peskow sagte, Putin habe einen Kommandoposten der russischen Armee aufgesucht, wo er sich einen Bericht seines Generalstabschefs Waleri Gerassimow angehört und den russischen Soldaten gedankt habe.
Im Fernsehen war der Präsident in Uniform mit dem Generalstabschef zu sehen, wie er den russischen Soldaten seinen Dank aussprach. Putin sagte dabei, die Einnahme von Kostjantyniwka sei von "großer strategischer Bedeutung". "Die russischen Streitkräfte behalten an der Front weiterhin fest die strategische Initiative", fügte der russische Präsident hinzu.
Von ukrainischer Seite gab es zu den Siegesmeldungen aus Moskau keinen Kommentar. Zuletzt hatten ukrainische Militärs eine schwierige Lage in der bereits schwer zerstörten Stadt eingeräumt. Der ukrainische Generalstab in Kiew sprach am Abend in seinem Lagebericht lediglich von schweren Kämpfen rund um Kostjantyniwka.
Putin käme mit der Eroberung seinem Ziel näher, den Donbass komplett unter russische Verwaltung zu bringen. Von den größeren Städten im Gebiet Donezk blieben dann nur noch Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka unter ukrainischer Kontrolle.
Seit Ende 2025 umkämpft
Kostjantyniwka ist ein strategisch wichtiger Stützpunkt auf dem Weg zu den letzten größeren Städten in der Donbass-Region, die noch unter der Kontrolle Kiews stehen. Im Juni hatte Putin bereits angekündigt, die russischen Truppen stünden kurz vor der Eroberung der strategisch wichtigen ukrainischen Stadt. Der russische Kommandeur Anton Grunis teilte mit, die Armee unternehme "Such- und Vernichtungseinsätze gegen vereinzelte Soldaten der ukrainischen Streitkräfte, die versuchen, sich in Gebäuden, Kellern und Ruinen zu verstecken".
Die russischen Streitkräfte kontrollierten nun die gesamte Region Luhansk im Osten der Ukraine - eine der beiden Regionen, aus denen sich der Donbass zusammensetzt, fügte Peskow hinzu. Nachdem Russland sichtbar gescheitert ist, die gesamte Ukraine zu besetzen, hält sich Moskau besonders an die Eroberung des Donbass als Kriegsziel.
Generalstabschef Gerassimow erklärte derweil, die russischen Streitkräfte befänden sich nun neun Kilometer vor Saporischschja, einer Großstadt im Süden der Ukraine, die vor dem Krieg mehr als 700.000 Einwohner zählte. Ein weiterer Kommandeur berichtete, seine Truppen befänden sich zehn Kilometer vor der Regionalhauptstadt Sumy im Norden entfernt, die vor dem Krieg rund 250.000 Einwohner hatte.