Einigkeit in Peking demonstriertPutin preist Beziehung - und verspricht Xi verlässliche Energielieferungen
Kurz nach dem Besuch des US-Präsidenten ist auch Russlands Staatsoberhaupt in Peking zu Besuch. Putin und Xi finden freundliche Worte füreinander und beschwören Einigkeit. Russland braucht allerdings mehr als das, denn es kriselt wirtschaftlich und militärisch.
Kremlchef Wladimir Putin hat beim Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die Bedeutung seines Landes als verlässlicher Energielieferant in Krisenzeiten hervorgehoben. "Vor dem Hintergrund der Krise im Nahen Osten behält Russland weiterhin seine Rolle als zuverlässiger Lieferant von Rohstoffen bei, während China als verantwortungsbewusster Abnehmer dieser Rohstoffe auftritt", sagte Putin zum Auftakt. Er lud Xi auch zum Gegenbesuch 2027 nach Russland ein.
Mit Blick auf die Nahost- und Golfregion sagte Xi nach chinesischen Angaben, es sei ein umfassender Waffenstillstand dringend nötig, Verhandlungen seien besonders wichtig. Eine frühe Lösung des Konflikts könne helfen, Störungen der Energieversorgung, der Lieferketten und der internationalen Handelsordnung zu verringern.
Russland ist nach Moskauer Regierungsangaben führender Energieexporteur für China: Im Jahr 2025 wurden 101 Millionen Tonnen Erdöl und 49 Milliarden Kubikmeter Erdgas über Pipelines und in Form von Flüssigerdgas geliefert.
Putin stilisiert Russland als verlässlichen Energielieferanten
Trotz ungünstiger äußerer Faktoren zeige die wirtschaftliche Zusammenarbeit Russlands und Chinas eine gute Dynamik, meinte Putin. Im vergangenen Vierteljahrhundert sei der Handel beider Länder um das 30-Fache gewachsen und liege seit Jahren solide über 200 Milliarden US-Dollar, sagte er.
"Die Lokomotive in der russisch-chinesischen Zusammenarbeit ist die Kooperation im Energiebereich", sagte Putin bei dem Treffen mit Xi. Priorität bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit hätten außerdem "große gemeinsame Projekte der Industrie, in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen und natürlich im Bereich der Hochtechnologie", sagte Putin.
Xi: Gefahr eines Rechts des Stärkeren in der Welt
Putin unterstrich zudem die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Russland und China in angespannten Zeiten. Die Beziehungen seien einer "der wichtigsten stabilisierenden Faktoren auf der internationalen Bühne".
Xi sagte, die Welt stehe angesichts der veränderten internationalen Lage vor der Gefahr, zum Recht des Stärkeren zurückzufallen. China unterstütze eine weitere Verlängerung des Vertrags über gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit mit Russland und wolle die strategische Zusammenarbeit mit Moskau weiter entschlossen vorantreiben.
Putins Besuch sorgt auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil Xi erst in der vergangenen Woche Trump in Peking empfangen hatte. Die Reise Putins war nach Kremlangaben allerdings bereits zuvor geplant worden. Anlass ist auch der 25. Jahrestag des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen China und Russland.
"Der Besuch dient beiden Präsidenten"
Der Besuch ermöglicht Peking, zwei Botschaften zugleich zu senden: China will die Beziehungen zu den USA nach dem Trump-Besuch stabilisieren, hält aber gleichzeitig an der engen Partnerschaft mit Russland fest. "Der Besuch dient beiden Präsidenten", sagte Johann Fuhrmann, Leiter des Auslandsbüros China der Konrad-Adenauer-Stiftung. Putin brauche die Rückendeckung seines wichtigsten Partners und Bilder, die Stabilität vermitteln. "Denn er steht zweifellos unter Druck, nicht nur wirtschaftlich", sagte Fuhrmann. "Dass ukrainische Drohnen inzwischen Moskau erreichen können, verunsichert natürlich auch die eigene Bevölkerung."
Die russischen Atomstreitkräfte begannen am Dienstag, dem Tag der Abreise Putins, als Machtdemonstration und wohl auch als eine Art zusätzliche Sicherheitsgarantie für einen ungestörten Flug des Präsidenten, ein Großmanöver. Auch Moskau war zuletzt Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.
Xi wiederum könne zeigen, dass sich das Zentrum der Weltpolitik weiter in Richtung Peking verschiebt. Die großen Staatsmänner geben sich bei ihm die Klinke in die Hand: erst Trump, jetzt Putin. "Die Botschaft ist klar: An Peking, aber auch an Xi persönlich, kommen weder Washington noch Moskau vorbei", sagte Fuhrmann.
Putin war am Dienstagabend in Peking gelandet. Im Mittelpunkt des Besuchs stehen Gespräche über die Beziehungen zwischen China und Russland sowie internationale und regionale Fragen. Zudem ist die Unterzeichnung zahlreicher bilateraler Dokumente vorgesehen. Insgesamt sollen rund 40 Dokumente unterzeichnet werden.
Begleitet wurde der Besuch von demonstrativ freundlichen Kommentaren in chinesischen Staatsmedien. Die staatsnahe "Global Times" schrieb, Xi und Putin würden den Kurs für die Beziehungen in einer neuen Phase vorgeben. Das Blatt hob die "dauerhafte gute Nachbarschaft" und verwies auf die mehr als 4300 Kilometer lange gemeinsame Grenze. Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua rahmte Putins Besuch als Beitrag zur Stabilität in einer unruhigen Welt. In einem Kommentar hieß es, die Beziehungen hätten besondere "Reife und Widerstandsfähigkeit" erreicht. Xi und Putin hätten sich seit 2013 mehr als 40 Mal getroffen. Für Putin war es die 22. Reise nach China. Beide treffen sich laut Kreml in diesem Jahr noch dreimal bei internationalen Veranstaltungen.
