"Keine geopolitische Aufgabe" Putin sieht Russland im Kampf ums Überleben
14.03.2023, 16:50 Uhr
Agitprop in Sibirien: Staatschef Putin unterrichtet die Beschäftigten eines Hubschrauberwerkes über seine Sicht auf die Weltlage.
(Foto: picture alliance/dpa/TASS)
Kremlchef Putin besucht im fernen Ulan-Ude ein Hubschrauberwerk und bringt den Beschäftigten seine Sicht des Überfalls auf die Ukraine näher. Russland kämpfe dort um nichts weniger als das eigene Überleben und werde erfolgreich sein. Die westlichen Sanktionen hätten das Land "souveräner und selbstständiger" gemacht.
Für Russlands Staatschef Wladimir Putin geht es beim Angriffskrieg gegen die Ukraine um Russlands Existenz. Für den Westen gehe es darum, seine geopolitische Position zu verbessern. "Für uns ist das keine geopolitische Aufgabe, sondern eine Aufgabe für das Überleben des russischen Staates", behauptete er bei einem Treffen mit handverlesenen Arbeitern eines Hubschrauberwerks im sibirischen Ulan-Ude. "Nach 2014 begann einfach die physische Auslöschung derer, die für die Entwicklung normaler Beziehungen zu Russland eingetreten sind", sagte er mit Blick auf Kiew.
Jahrzehntelang habe Russland versucht, gute Beziehungen zur Ukraine aufzubauen. "Grundsätzlich geändert hat sich die Situation 2014, als mit Hilfe des Westens ein Staatsumsturz stattfand", sagte der 70-Jährige. Nach dem Sturz und der Flucht des damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch annektierte Russland die Schwarzmeer-Halbinsel Krim und unterstützte die Separatisten im ostukrainischen Donbass-Gebiet.
Putin behauptete einmal mehr vor den fragenden und nickenden Arbeitern, acht Jahre lang eine friedliche Lösung des Donbass-Konflikts angestrebt zu haben. Russland sei aber "an der Nase" herumgeführt worden. Er rief die Bevölkerung bei dem vom Staatsfernsehen gefilmten Auftritt zum Zusammenhalt auf, um den Sieg zu erringen. Mehr als ein Jahr nach Beginn der russischen Invasion ist nicht in Sicht, dass das Moskauer Militär seine Kriegsziele erreicht. Putin sagte dennoch, dass der Krieg mit einem "Sieg und Erfolg" für Russland enden werde.
Derweil ordnete Verteidigungsminister Sergej Schoigu eine Verdopplung der Raketenproduktion an. "Die Aufgabe ist hart, aber erfüllbar", sagte er laut Ministerium beim Besuch in einer Raketenfabrik in der Nähe von Moskau. Weder die Ukraine noch andere Länder verfügten heute über solche Hochpräzisionswaffen, betonte der Minister. Russland nutzt die Raketen immer wieder für massive Angriffe auf die Ukraine.
Zu den westlichen Sanktionen meinte Putin auf Nachfrage der Werktätigen, dass sich die Hoffnung des Westens - der Zusammenbruch der russischen Wirtschaft - nicht erfüllt habe. Sie halte dem Druck Stand. Vielmehr habe sich die Lage für das Land unerwartet gut entwickelt. Im Bereich der Wirtschaft und Finanzen sei Russland "souveräner und selbstständiger" geworden, sagte Putin. Für die westlichen Unternehmen, die gegangen sind, habe sich rasch Ersatz gefunden. Zugleich räumte er ein, dass es weiter Gefahren durch die Sanktionen gebe.
Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts