Politik

Rossatom übernimmt Atomkraftwerk Putin stellt AKW Saporischschja unter russische Verwaltung

Nächstes Ziel, dass Putin nun als russischen Besitz betitelt: Das AKW Saporischschja.

Nächstes Ziel, dass Putin nun als russischen Besitz betitelt: Das AKW Saporischschja.

(Foto: IMAGO/NurPhoto)

Kreml-Chef Putin annektiert nicht nur völkerrechtswidrig vier ukrainische Gebiete - nun verleibt sich Russland auch noch das AKW Saporischschja ein. Der russische Staatskonzern Rossatom übernimmt das Werk, ein neuer Direktor soll schon vor Ort sein. Ein fliegender Wechsel wird das wohl trotzdem nicht.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich per Dekret Europas größtes Atomkraftwerk einverleibt und in dem Zuge die Moskauer Regierung beauftragt, das von seinen Truppen besetzte AKW Saporischschja zu verstaatlichen. "Die Regierung ist angewiesen zu gewährleisten, dass Objekte zur Nutzung von Atomenergie des Kernkraftwerks Saporischschja und anderes für dessen Funktion notwendiges Eigentum in den staatlichen Besitz übernommen werden", heißt es in dem jetzt veröffentlichten Dokument.

Demnach übernimmt der russische Staatskonzern Rossatom das Kernkraftwerk. Das Unternehmen hat dafür am 3. Oktober eine neue Aktiengesellschaft namens "JointStock Company Zaporozhye NPP Operating Organization (ZNPP OO JSC)" mit einem Gründungskapital von zwei Milliarden Rubel gegründet und ist dort Hauptaktionär, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet. Die Aktiengesellschaft soll als neue Betreibergesellschaft für das Kernkraftwerk fungieren. Gegenüber dem RND sagte der Kernenergieingenieur Sebastian Stransky von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit, dass mit diesem Schritt Moskau auch die Aufsicht über das Atomkraftwerk übernehmen muss. "Ein solcher Vorgang ist schon ein bemerkenswerter Vorfall - und entspricht nicht dem Völkerrecht."

Aus dem Dekret geht zudem hervor, dass Oleg Romanenko der neue Generaldirektor des AKW Saporischschja sein soll. Romanenko war bisher als Hauptingenieur in dem russischen Kernkraftwerk Balakowo tätig. "Wir haben gehört, dass der neue Betriebsleiter bereits vor Ort sein soll", so Stransky weiter. Nach Einschätzung des Experten könne aber das Betriebspersonal nicht so einfach ausgetauscht werden. "Das ist technisch unmöglich", sagte er. Denn für den Betrieb sei eine spezielle Ausbildung und Zulassung erforderlich.

IAEA-Chef unterwegs nach Kiew - nächster Stopp Moskau

Das AKW Saporischschja ist das größte Kernkraftwerk in Europa. Russland kontrolliert das AKW faktisch seit Anfang März, als Moskaus Truppen im Zuge des Angriffskriegs große Teile der Südukraine besetzten. Das Kraftwerk ist in den vergangenen Monaten bei schweren Kämpfen mehrfach unter Beschuss geraten und musste sogar heruntergefahren werden. Die Ukraine und Russland geben sich gegenseitig die Schuld für die Beschädigungen.

Der Beschuss hat international Sorgen vor einer atomaren Katastrophe ausgelöst. Russland hat zuletzt in einem völkerrechtswidrigen Verfahren vier ukrainische Regionen annektiert, darunter auch das Gebiet Saporischschja, in dem das Atomkraftwerk liegt. Die Ukraine hat trotz Drohungen Russlands erklärt, weiter für die Befreiung aller ihrer Regionen zu kämpfen.

Unterdessen teilte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, bei Twitter mit, er sei unterwegs in die ukrainische Hauptstadt Kiew und auf dem Weg "zu wichtigen Treffen. Der Bedarf für eine Schutzzone um das Kraftwerk ist dringender denn je". Bereits am Dienstag hatte die IAEA angekündigt, Grossi reise noch diese Woche erst nach Kiew und dann nach Moskau, um Beratungen über die Einrichtung einer Sicherheitszone rund um das AKW fortzusetzen.

Der Chef des AKW, Ihor Muraschow, war am Freitag von russischen Truppen festgenommen worden. Mittlerweile ist er nach Angaben der IAEA, die mit mehreren Experten vor Ort ist, wieder bei seiner Familie.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa/AFP

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