Politik

Ja, wo ist er denn? Putin wird zum Global Player des Spotts

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Alle drängen sich um Putin - oder?

(Foto: Screenshot Twitter: @StopFakingNews)

Wladimir Putin ist in großer Rolle beim G20-Gipfel zu sehen. Der russische Präsident, umringt von den mächtigsten Staatsmännern der Welt. Ein starkes Bild, das über das Internet schnell verbreitet wird. Blöd nur, dass die Wahrheit eine ganz andere ist.

In Hamburg randalieren Chaoten und liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. In Hamburg treffen sich aber auch die wichtigsten Staatschefs - es ist G20-Wochenende. Und die mächtigen Politikbosse wollen über die Zukunft der Welt beraten. Themen gibt es genug, Klimaschutz, Welthandel, Terrorismus. Aber wer übernimmt die Führungsrolle der Alphatier-Anhäufung? Gastgeberin Angela Merkel? Frankreichs Hoffnungsträger Emmanuel Macron? US-Präsident Donald Trump?

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In Wirklichkeit sah alles ganz anders aus.

(Foto: REUTERS)

Nein, es ist tatsächlich der Russe Wladimir Putin. Es gibt sogar ein aussagekräftiges Foto davon. Der Kreml-Chef, umringt von Trump, dem Türken Recep Tayyip Erdogan und Co., auch Merkel nähert sich dem geschäftigen G20-Global-Player. Das Bild verbreitet sich schnell, im Internet geteilt wird es einem Videobericht des "Stern" zufolge zunächst unter anderem von Putin-Berater Sergej Markow und dem Fernsehmoderator Wladimir Solowiew. So weit, so machtvoll. Blöd nur, dass wenig später das Originalbild des Reuters-Fotografen Kai Pfaffenbach im Internet auftaucht.

Aus der türkischen "Twittersphäre"?

Es zeigt nämlich etwas ganz anderes. Zwar sitzen oder stehen die meisten der genannten Politiker wirklich beieinander, doch in der Mitte fehlt einer: Putin. Und der Russe hätte auch gar nicht dort sein sollen, denn der leere Platz wird laut Namenskarte von Großbritannien besetzt. Auf Twitter folgt der mittlerweile ritualisierte Spott - für den offenbar unschuldigen Präsidenten. Viele User stellen ihre eigene Montagen online. Woher die erste Foto-Manipulation kommt, ist übrigens unklar: Ein User @Hasavrat erklärt einem Bericht der Website Newstatesman.com zufolge, es komme aus der türkischen "Twittersphäre".

In Russland hat die "Kunst" der politischen Retusche indes eine durchaus lange Tradition. Kaum jemand trieb dabei die Bildmontage so sehr auf die Spitze wie einst Josef Stalin und sein Stab. Unter anderem "verschwanden" die in Ungnade gefallenen Revolutionäre Leo Trotzki und Lew Kamenew aus Bildern. Die bekannteste Manipulation: Trotzki und Kamenew wurden von den Stufen eines Podestes, von dem aus Lenin am 5. Mai 1920, eine Rede hält, herausretuschiert.

Eine peinliche Photoshop-Panne leistete sich vor wenigen Jahren auch das Oberhaupt der Orthodoxen Kirche, Patriarch Kirill. Während die Geistlichen der Kirche gern zur Bescheidenheit raten, pflegt Kirill laut "Spiegel" offenbar eine Vorliebe für banalen Luxus. Für eine Uhr der Schweizer Edel-Marke Breguet, der geschätzte Wert: 30.000 Dollar. Blogger untersuchten 2012 auf der Homepage des Geistlichen Fotos von offiziellen Terminen. Sie zeigen Kirill zwar ohne Uhr, dafür mit ungewöhnlich langen Ärmeln. Die Fotos wurden offenbar nachträglich bearbeitet, denn in der polierten Tischplatte spiegelt sich eine edle Armbanduhr.

Quelle: ntv.de, tno