Politik

Gesundheitsminister einig Quarantäne für ganze Klassen wird abgeschafft

Nur noch positiv getestete Schüler und ihre direkten Sitznachbarn sollen künftig in Quarantäne müssen. Darauf einigen sich die Gesundheitsminister der Länder. Nach fünf Tagen sollen sich die Betroffenen freitesten können. Doch für das Konzept gibt es eine Bedingung.

Die Gesundheitsminister der Länder haben sich auf eine Neuordnung der Quarantäne-Regeln in Schulen geeinigt. Sie folgten in ihren Beratungen dem Vorschlag des Bundes, bei Infektionen in Schulen nicht mehr ganze Klassen, sondern nur noch die direkten Sitznachbarn in Quarantäne zu schicken. Symptomfreie Kinder, die als enge Kontaktpersonen in Quarantäne sind, sollen diese frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test beenden können. Der Vorsitzende der Länder-Ressortchefs, Klaus Holetschek aus Bayern, sagte, dies solle als "Leitplanken" für die Gesundheitsämter dienen. Der Beschluss wurde bei Enthaltung zweier Länder angenommen.

In dem Beschluss heißt es, Quarantäne-Anordnungen seien generell "mit Augenmaß" in Abhängigkeit von der Einhaltung von Schutzkonzepten - also etwa Lüftungs-, Masken- und Testkonzepte - zu erlassen. Im Interesse eines möglichst verlässlichen Präsenzunterrichts sei die Anordnung einer Quarantäne außerdem "auf möglichst wenige Personen" zu beschränken. Geimpfte und genesene Personen sollen grundsätzlich ausgenommen sein. Die nötigen Maßnahmen solle die Gesundheitsbehörde vor Ort treffen.

Bei übrigen Kindern der Klasse, die nicht als enge Kontaktpersonen eingestuft sind, sollten "für eine gewisse Zeit" intensivierte Tests vorgenommen werden, heißt es in dem Beschluss weiter. Auch in Kitas solle es Quarantäne "nur mit Augenmaß unter Berücksichtigung der Belange der Kinder und Kinderbetreuungseinrichtungen" geben. Auch hier soll ein "Freitesten" aus einer Quarantäne nach frühestens fünf Tagen möglich sein.

Bislang gehen die Länder bei einer Quarantänedauer von 14 Tagen unterschiedlich damit um, wenn sich in einer Klasse ein infiziertes Kind befindet. Teilweise werden nur Sitznachbarn in Quarantäne geschickt, teils ganze Klassen. Die unterschiedlichen Regelungen sorgen für Unmut. Vor den Länder-Beratungen hatten sich Kanzleramtschef Helge Braun und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für eine bundesweit einheitliche Quarantäneregeln an Schulen ausgesprochen.

Regelung für Auffrischungsimpfungen ausgeweitet

"Es geht darum, die richtige Balance zu finden zwischen Alltagstauglichkeit für den Schulbetrieb und dem, was eben einen guten Schutz für die Kinder, für die Jugendlichen, für alle in der Schule dann bedeutet", sagte CDU-Politiker Spahn. Die unterschiedlichen Regeln sorgten gegenwärtig für viel Unverständnis. "Eine große gemeinsame Linie der Länder würde für sehr viel Akzeptanz gerade auch bei den Eltern sorgen", sagte auch Forschungsministerin Anja Karliczek von der CDU. Die deutschen Amtsärzte hatten ebenfalls bundesweit einheitliche Quarantäneregeln bei Infektionsfällen in Schulen gefordert.

Der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft VBE, Udo Beckmann, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: "Die Zeit für eine Quarantäne zu verkürzen und sie auf fünf Tage durch einen Test zu begrenzen, trägt dazu bei, transparente Regelungen zu schaffen. Das baut Unmut und Unverständnis der Menschen ab." Die eigentliche Aufgabe bleibe aber, nachvollziehbar und möglichst ebenso bundesweit festzulegen, nach welchen Indikatoren entschieden werde, wer in Quarantäne gehen müsse.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sprach sich für gezieltere Quarantäneregeln an Schulen aus. Bedingung sei eine sorgfältige Kontrolle über Tests, sagte Präsident Jörg Dötsch bei einem Pressebriefing des Science Media Centers. Er rief zugleich Erwachsene zu Impfungen auf. Schulschließungen hätten dazu beigetragen, dass es unter Erwachsenen weniger schwere Verläufe gegeben habe. "Wir fordern ganz klar: Bevor noch einmal eine Schule geschlossen wird, müssen auch alle anderen Bereiche des öffentlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens geschlossen werden."

Die Länder-Gesundheitsminister beschlossen außerdem, das Angebot für Auffrischungsimpfungen auszuweiten. "Künftig können auch Bürgerinnen und Bürger über 60 Jahren nach ärztlicher Beratung und individueller Entscheidung eine Drittimpfung wahrnehmen - aber frühestens sechs Monate nach der ersten vollständigen Impfserie", sagte CSU-Politiker Holetschek. Angeboten werden solle dies zudem auch Pflegekräften in Alten- und Pflegeheimen und weiteren Einrichtungen für gefährdete Gruppen. Möglich sind Auffrischungsimpfungen unter anderem schon für Pflegebedürftige, Menschen mit Immunschwäche und ab 80 Jahren.

Quelle: ntv.de, mli/rts/dpa

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