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Forstrettung "Illusion" RWE will Rodung trotz Todesfall fortsetzen

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RWE braucht die Waldfläche am Tagebau Hambach nach eigenen Angaben, um die Böschung zu stabilisieren.

(Foto: dpa)

Der Energiekonzern RWE sieht auch nach dem Tod eines Journalisten im Hambacher Forst und dem zwischenzeitlichen Stopp der Räumung keine Möglichkeit, die Rodung zu beenden. Ein Stillstand würde den Konzern Milliarden kosten, so RWE-Chef Schmitz.

Nach dem Unfalltod eines Journalisten im Hambacher Forst gehen Forderungen und Schuldzuweisungen hin und her. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) warf einigen Waldbesetzern vor, die Unterbrechung der Räumungsarbeiten für den Bau neuer Baumhäuser zu nutzen. Er forderte die Aktivisten auf, die Häuser zu verlassen.

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RWE-Konzernchef Rolf Martin Schmitz sagte derweil im ZDF, man wolle den Hambacher Forst trotz des Todesfalls weiter für die Braunkohleförderung roden. "Die Annahme, dass der Forst gerettet werden kann, das ist Illusion. Und ich bin tief betroffen, dass für eine solche Illusion, für ein solches Symbol gestern ein Mensch gestorben ist." Selbst wenn danach keine Braunkohle mehr abgebaut würde, müssen seinen Worten nach die Bäume weichen. "Wir brauchen die Flächen dort, um die Böschungen zu stabilisieren", erklärte Schmitz.

RWE: Stopp würde Milliarden kosten

Ein Stopp der Braunkohleförderung am Tagebau Hambach wegen des Erhalts des Forstes käme den Stromkonzern laut Schmitz teuer zu stehen. "Ein Stillstand des Hambacher Forstes ad hoc würde 4 bis 5 Milliarden bedeuten", sagte er im ZDF. Tatsächlich meinte Schmitz damit die Gesamtkosten, wie zum Beispiel für Personal- und Sozialleistungen, und entgangene Wertschöpfung im Konzern, sollte der Tagebau nicht wie geplant bis Mitte des Jahrhunderts laufen, wie das Unternehmen im Nachgang der ZDF-Sendung präzisierte. "Es ging um eine rein theoretische Frage, welche Kosten ein sofortiger und endgültiger Stopp des Tagebau Hambach verursachen könnte", erklärte RWE. Es handele sich dabei "um eine rein hypothetische Betrachtung".

Der Vorstandsvorsitzende musste sich während der Sendung schwere Kritik einer lokalen Braunkohlegegnerin und von Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter anhören. "Man macht etwas doppelt Falsches", sagte Hofreiter. Man zerstöre gute Natur und verfeuere am Ende Braunkohle, was die Lebensgrundlagen auf der Erde zerstöre.

RWE besteht darauf, die Bäume schlagen zu müssen, um den Tagebau weiter vorantreiben zu können. Ein Treffen zwischen Schmitz und Umweltverbänden hatte jüngst kein Ergebnis gebracht. Die Umweltschützer lehnten ein Kompromissangebot des Unternehmens ab, die Rodung bis Mitte Dezember zurückzustellen. Dann soll die Kohlekommission ihre Arbeit abschließen.

Quelle: n-tv.de, jgu/dpa/DJ

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