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Jordantal-Annexion nach Wahl? Raketenangriff unterbricht Rede Netanjahus

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Israels Ministerpräsident Netanjahu hatte schon einmal angekündigt, das Jordantal annektieren zu wollen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Erneut spricht der israelische Ministerpräsident Netanjahu davon, das Jordantal annektieren zu wollen - die Bedingung sei seine Wiederwahl. Von palästinensischer Seite wird er dafür kritisiert. Wenig später muss Netanjahu bei einer Wahlkampfrede wegen eines Raketenangriffs pausieren.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist während einer Wahlkampfrede von Raketenalarm unterbrochen worden. Die israelische Armee teilte mit, militante Palästinenser hätten zwei Raketen auf Israel abgefeuert. Auch in der Hafenstadt Aschdod, wo Netanjahu gerade seine Rede hielt, heulten die Warnsirenen. Ein Video zeigte, wie der 69-Jährige in Begleitung von Bodyguards rasch den Saal verließ. Später setzte er seine Rede fort. Nach Angaben der Armee wurden beide Raketen von dem Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) abgefangen. Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom teilte mit, es habe keine Verletzten gegeben. Eine 46 Jahre alte Frau in Aschdod habe einen Schock erlitten und sei ins Krankenhaus gebracht worden.

Zuvor hatte Netanjahu erklärt, bei seiner Wiederwahl das Jordantal im besetzten Westjordanland zu annektieren. Israel werde seine Souveränität auf das Gebiet an der Grenze zu Jordanien ausdehnen, sagte Netanjahu. Schon vor der Parlamentswahl im April hatte Netanjahu die Einverleibung israelischer Siedlungen im Westjordanland angekündigt, dies aber nicht in die Tat umgesetzt. Vor gut einer Woche wiederholte er seine Ankündigung.

Der Ministerpräsident hatte sich in der Vergangenheit noch für die Einrichtung eines entmilitarisierten Palästinenserstaates ausgesprochen. Das Jordantal verläuft entlang der Grenze zu Jordanien und macht nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem insgesamt rund 30 Prozent des Westjordanlandes aus. 90 Prozent des Jordantales stehen demnach entsprechend der Osloer Friedensverträge unter israelischer Verwaltung. Insgesamt leben im Jordantal rund 60.000 Palästinenser und rund 5000 israelische Siedler.

Israel hatte in der Vergangenheit bereits auf die strategische Bedeutung des Jordantales für die eigene Sicherheit verwiesen. Der palästinensische Ministerpräsident Mohammed Schtaje hatte bereits vor Netanjahus Rede vor einem solchen Schritt gewarnt. "Das palästinensische Gebiet ist nicht Teil von Netanjahus Wahlkampagne", sagte Schtaje laut einer Stellungnahme seines Büros. "Wenn er glaubt, dass er durch die Annektierung der Siedlungsblöcke die Wahlen kurzfristig gewinnen wird, langfristig werden er und Israel die Verlierer sein. (...) Netanjahu ist der zentrale Saboteur des Friedensprozesses."

Am 17. September wählt Israel ein neues Parlament. Dabei zeichnet sich ein knappes Rennen zwischen Netanjahus rechtskonservativem Likud und dem oppositionelle Bündnis der Mitte, Blau-Weiß von Ex-Militärchef Benny Gantz, ab. Israel hatte 1967 im Sechstagekrieg unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert. Dort leben heute mehr als 600.000 israelische Siedler in mehr als 200 Siedlungen. Die Palästinenser beanspruchen das Gebiet als Teil eines künftigen eigenen Staates.

Quelle: n-tv.de, agr/dpa

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