Politik

"Brannte für Fraktionsvorsitz" Ralph Brinkhaus, der zielstrebige Ostwestfale

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Ralph Brinkhaus hat mit seiner Bewerbungsrede für das Amt des Fraktionsvorsitzenden überzeugt.

(Foto: imago/Metodi Popow)

Ins Rennen um den Fraktionsvorsitz der Union im Bundestag startet Ralph Brinkhaus als Außenseiter. Doch mit Leidenschaft und westfälischer Sturheit setzt sich der Finanzexperte gegen Amtsinhaber Kauder durch. Zu Merkels Gegenspieler will er aber nicht werden.

Ostwestfalen wie Ralph Brinkhaus gelten von Natur aus als bodenständig. Doch wer den gelernten Steuerberater am Rednerpult des Bundestages und im persönlichen Gespräch erlebt, registriert rasch seine Zielstrebigkeit. Spätestens am Dienstag wurde das auch allen Teilnehmern der Unions-Fraktion klar, die sich mehrheitlich für ihn als ihren Vorsitzenden im Parlament aussprachen. Völlig überraschend löste der bisherige Fraktionsvize damit Volker Kauder an der Spitze ab.

"Er brannte förmlich für den Fraktionsvorsitz", beschrieb der CDU-Politiker Gunther Krichbaum die Bewerbungsrede des 50-Jährigen. Brinkhaus sitzt seit 2009 für den Wahlkreis Gütersloh im Bundestag. Seine Heimat ist geprägt von Konzernen wie Bertelsmann, Miele und dem Landmaschinenbauer Claas. Auf diese wirtschaftliche Stärke verweist der in Rietberg aufgewachsene Brinkhaus gern. Im Januar 2014 wurde er stellvertretender Fraktionschef im Bundestag und machte sich einen Namen als Experte für Haushalts- und Finanzfragen. Dabei gehörte er nie zu den Lautsprechern im Plenum, sondern wägte seine Worte - auch gegenüber der Presse - lieber ab.

Strenge und Loyalität

Zugleich brachte er seine Themen mit Nachdruck vor: So meldete er sich 2015 im Schuldenstreit mit Griechenland kritisch zu Wort und forderte eine strenge Aufsicht über die Hilfen der Euro-Länder für Athen. Im April diesen Jahres trat Brinkhaus bei den angestrebten Reformen der Eurozone im Namen der Unions-Fraktion überraschend deutlich auf die Bremse und nahm damit auch mancher Euphorie in Paris und Berlin den Wind aus den Segeln.

Brinkhaus will auch in umstrittenen Themen wie Migration Akzente setzen. "Wir hebeln das Recht auf Asyl aus, wenn wir jedem ein Bleiberecht bieten", schreibt er auf seiner Internetseite. "Wann wir am Ende unserer Möglichkeiten sind, müssen wir in dieser sich schnell verändernden Welt von Jahr zu Jahr neu entscheiden."

Zugleich stellt er sich hinter Maßnahmen der Großen Koalition wie das Baukindergeld, dessen Kosten Kritiker für zu hoch halten. Seine Kandidatur für den Fraktionsvorsitz wollte Brinkhaus weder als Angriff auf Kauder noch auf Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel verstanden wissen. Merkel zu beschädigen sei genau das, was niemand wolle - "und schon gar nicht ich", sagte er kürzlich dem SWR.

Quelle: n-tv.de, Tom Körkemeier, rts

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