Politik

Täglich fünf Opfer Rechte Gewalt in Ostdeutschland steigt an

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Rechte Gewalt nimmt in Ostdeutschland zu.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mehr rechte Angriffe im Osten Deutschlands zählen die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt. Zwei Drittel der Gewalttaten geschahen aus Rassismus. Für Westdeutschland haben die Experten keine Zahlen.

1212 rechte Angriffe in Berlin und den ostdeutschen Bundesländern - damit bilanzieren die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr: 2017 hatten sie 1123 Gewalttaten dokumentiert, die rechts, rassistisch oder antisemitisch motiviert waren.

"Damit sind in Ostdeutschland täglich mindestens fünf Menschen Opfer rechter Gewalt geworden", erklärte Robert Kusche, vom Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter Gewalt (VBRG). Unter den 1789 direkt Betroffenen seien auch mehr als 250 Kinder und Jugendliche gewesen.

Zwei Drittel aller Angriffe - 793 Fälle - waren laut Verband rassistisch motiviert und richteten sich zu einem großen Teil gegen Flüchtlinge, Menschen mit Migrationshintergrund und schwarze Deutsche. Die Angaben des VBRG beziehen sich nur auf den Osten Deutschlands, da es in Westdeutschland nicht genug Stellen gibt, die rechte Gewalt flächendeckend erfassen könnten. "Wir würden anders diskutieren, wenn wir auch die westdeutschen Zahlen kennen würden", sagte Kusche.

"Das Problem wird nach Osten abgeschoben"

Einen blinden Fleck für Rechtsradikalismus und rechte Gewalt in Westdeutschland sieht Matthias Quent vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena. "Das Problem wird nach Osten abgeschoben." Mobilisierungen wie zum Beispiel im vergangenen Jahr im pfälzischen Kandel hätten nicht so hohe Wellen geschlagen wie ähnliche Ereignisse in Ostdeutschland.

Als einen Faktor, der rechte Gewalt im Osten begünstigt, sieht Quent zum Teil starke rechte Subkulturen vor Ort. "Neonazigruppen sind oft gut organisiert und stark verankert, die rechte Kultur durchsetzt das Alltagsmilieu, Fußballszenen." Gegen solche stützende Strukturen müsse man schneller vorgehen. Gesellschaft und Behörden müssten dafür sensibler werden. "Wir brauchen eine neue klare Kante in Abgrenzung zu rechten Parolen."

Quelle: n-tv.de, fni/AFP

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