Politik

Ein Jahr nach tödlicher Attacke Rechte Pro-Chemnitz-Demo hat wenig Zulauf

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Statt der erwarteten 1000 Teilnehmer beteiligten sich nur einige Hundert Menschen an dem Marsch.

(Foto: dpa)

Ein Jahr, nachdem am Rande des Chemnitzer Stadtfestes ein Mann bei einem Messerangriff getötet wurde, ruft das rechtsextreme Bündnis Pro Chemnitz zu einer Demo auf. Doch die Rechte mobilisiert weniger Menschen als erwartet. Ein Bürgerfest bringt weit mehr Leute auf die Straße.

Am Jahrestag einer tödlichen Messerattacke in Chemnitz haben erneut Rechtsextreme in der Stadt demonstriert. Dem Aufruf des Bündnisses Pro Chemnitz folgten am Abend aber weniger Menschen als angekündigt. Statt der angemeldeten 1000 Teilnehmer kamen nach Schätzungen von Beobachtern nur einige Hundert. Die Polizei war mit Kräften aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der Bundespolizei im Einsatz. Ein Teilnehmer wurde laut Polizei nach dem Zeigen des Hitlergrußes aus der Demo gezogen.

Wesentlich mehr Zulauf als Pro Chemnitz hatten am Wochenende andere Veranstaltungen in der Stadt. Zu einem dreitägigen Bürgerfest kamen nach Angaben der Organisatoren 67.000 Besucher. Der DGB zählte zudem bei seinem Sommerfest 7500 Gäste. Und auch in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden wurde Flagge gegen Fremdenhass gezeigt. Einem Aufruf des Bündnisses "Unteilbar" folgten nach dessen Angaben am Samstag 40.000 Menschen. Es war die wohl größte Demonstration in Dresden seit dem Mauerfall. In einer Woche wird in Sachsen gewählt. Es wird ein abermaliges Erstarken der AfD erwartet.

Am 26. August 2018 war am Rande des Chemnitzer Stadtfestes ein Deutscher erstochen worden. Die Tat hatte rechte Demonstrationen und rassistische Übergriffe ausgelöst, die Chemnitz monatelang erschütterten. Für die ersten Demos hatten vor allem Hooligans aus dem Umfeld des Chemnitzer FC mobilisiert. Danach rief regelmäßig Pro Chemnitz zu Aufmärschen auf. Die Wählervereinigung wird im sächsischen Verfassungsschutzbericht 2018 als rechtsextremistisch eingestuft. Auch bei der jüngsten Pro-Chemnitz-Kundgebung waren erkennbare Hooligans in T-Shirts der Band Kategorie-C dabei.

Bürgerfest soll auch 2020 stattfinden

Wegen der tödlichen Attacke war am Donnerstag ein Syrer zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Angeklagte hatte im Prozess geschwiegen, in einem Fernseh-Interview jedoch bestritten, den 35-Jährigen erstochen zu haben. Nach einem zweiten Verdächtigen aus dem Irak wird weltweit gesucht.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig von der SPD sagte, Pro Chemnitz suche die Bühne. Im vorigen Jahr sei das dem Bündnis gelungen. "In einer Demokratie gibt es ein Versammlungsrecht. Das genießt gerade Pro Chemnitz", sagte die Stadtchefin. Sie hoffe aber, "dass das Bild dieser Stadt nicht nur das ist". Veranstaltungen wie das dreitägige Bürgerfest seien "die stärkste Antwort" auf die Ereignisse vom vorigen Jahr.

Das Bürgerfest, das ein eigens gegründeter Verein als Ersatz für das abgesagte Chemnitzer Stadtfest organisiert hat, soll auch 2020 stattfinden."Wir haben das letzte Wochenende im August 2020 schon reserviert", sagte der Vereinssprecher Sebastian Thieswald.

Auf zehn Bühnen und an weiteren Plätzen in der Innenstadt hatten Künstler, Schausteller und Vereine ein buntes Programm geboten. Man sei mit der Qualität der Veranstaltung zufrieden, hätte sich aber einen größeren Besucherzuspruch gewünscht. "Wir würden uns wünschen, dass mehr Chemnitzer in die Stadt kommen", sagte Thieswald. Das Bürgerfest sei ein neues Format, dem noch etwas Skepsis entgegenschlage.

"Chemnitz zeigen, wie es wirklich ist"

Man habe mit Blick auf den ersten Jahrestag des tödlichen Messerangriffs an diesem Montag das Wochenende davor absichtlich mit dem Bürgerfest belegt. "Es war doch klar, an diesem Wochenende guckt die Welt auf diese Stadt", sagte Thieswald. Man wolle Chemnitz nicht Radikalen überlassen. "Wir kämpfen wie die Löwen darum, dass die Mitte aufgefüllt wird", betonte der selbstständige Unternehmer. "Wir wollen Chemnitz zeigen, wie es wirklich ist: attraktiv, freundlich, friedlich. Und man kann fröhlich miteinander feiern. Der Dialog darf nicht enden."

Die Veranstalter der "Unteilbar"-Demo in Dresden zeigten sich von der Resonanz überwältigt. "Die Zukunft kann nur eine Solidarische sein. Eine Politik, die immer mehr auf Abschottung setzt und Rassismus weiter hofiert, kann keine Lösung sein", sagte Bündnis-Sprecherin Susann Riske. Ministerpräsident Michael Kretschmer zollte den Teilnehmern Respekt, blieb aber selbst fern. Als Regierungschef und CDU-Vorsitzender könne er nicht "bei einer Veranstaltung dabei sein, bei der auch Kräfte wie die Antifa mit von der Partie sind", begründete er seine Absage.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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