Politik

Heimliche Fotos unterm Rock Regierung will Spanner härter bestrafen

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Frauen unter den Rock zu fotografieren, soll künftig eine Straftat sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wer einer Frau heimlich unter den Rock oder in die Bluse fotografiert, muss bislang nur mit geringen Konsequenzen rechnen. Das soll sich ändern - die Regierung will das sogenannte Upskirting zum Straftatbestand machen. Auch Gaffer sollen härter bestraft werden.

Wenn eine Frau eine Rolltreppe hochfährt, denkt sie an alles Mögliche - an den nächsten Zahnarzttermin, an die Freundin, die bald Geburtstag hat oder daran, dass sie unbedingt noch in den Supermarkt muss. Doch wenn sie beim Rolltreppe fahren einen Rock trägt, muss sie an noch etwas denken: Sie muss schauen, wer da gerade hinter ihr steht. Es könnte ein Mann sein, der ihr heimlich unter den Rock fotografieren will.

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"Das nehmen wir nicht hin", sagt Justizministerin Lambrecht.

(Foto: dpa)

Die Bundesregierung will die Strafen dafür nun verschärfen. Denn angesichts der aktuellen Gesetzeslage könnte man auf die Idee kommen, es handele sich um ein Kavaliersdelikt. Upskirting, so nennt man das Aufnehmen solcher Bilder, gilt gerade mal als Ordnungswidrigkeit. Künftig soll es eine Straftat sein.

"Das ist demütigend und verletzend", kritisierte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Die Fotos werden in Chatgruppen geteilt und sogar kommerziell vertrieben. "Es trifft Frauen sehr, wenn sie zu Objekten degradiert werden", sagte die SPD-Politikerin. Zahllose Betroffene hätten sich an sie gewandt. Eine Online-Petition zum Thema haben schon knapp 110.000 Menschen unterzeichnet. Diese intimen Fotos sind besonders brisant, weil sie oft nicht auf dem Handy oder der Kamera bleiben, sondern im Netz landen.

Auch härtere Strafen für Gaffer

Zugleich will Lambrecht auch im neuen Gesetz das Fotografieren von Unfallopfern unter Strafe stellen. "Früher galt: So etwas macht man nicht! Heute wird es gemacht. Das nehmen wir nicht hin", sagte Lambrecht der NOZ. Bisher macht man sich lediglich strafbar, wenn man Rettungskräfte behindert oder Verletzte entwürdigend fotografiert - künftig soll das auch für Unfall-Tote gelten. Es drohen Geldstrafen und Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren.

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Hanna Seidel (r.) und Ida Marie Sassenberg riefen per Online-Petition dazu auf, Upskirting zu verbieten.

(Foto: picture alliance/dpa)

Lambrecht weiß mehrere Kolleginnen und Kollegen aus den Bundesländern hinter sich. "Wir müssen Frauen und Mädchen vor solchen Taten schützen", sagte die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann im Bundesrat. Das sei für die Opfer keine Kleinigkeit, besonders in der vernetzten Welt, weil Bilder mit nur einem Klick einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnten. Der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf sagte, die Opfer fühlten sich vom Rechtsstaat im Stich gelassen. "Das müssen wir schnellstens ändern."

Geahndet werden sollen solche Bildaufnahmen mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldbuße. Bislang ist eine solch harte Strafe nur möglich, wenn der Täter das Opfer zusätzlich zum Bild noch verhöhnt und beleidigt. Das Bundeskabinett will den Gesetzentwurf heute beschließen.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa