Politik

Grundlage für Hilfsmaßnahmen Regierung will Wohnungslose zählen

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Schätzungen, wie viele Menschen in Deutschland wohnungslos sind, gehen weit auseinander.

(Foto: imago/Christian Ohde)

In Deutschland sind 860.000 Menschen wohnungslos. Sie leben zwar nicht auf der Straße, haben aber keinen festen Wohnsitz. Doch die Zahl von 2017 ist nur eine Schätzung, belastbare Daten fehlen. Das will das Sozialministerium nun ändern und plant erstmalig eine bundesweite Erfassung.

Die Bundesregierung will erstmals die Zahl der wohnungslosen Menschen bundesweit erfassen. Die neue Statistik solle eine sichere Datengrundlage liefern, "auf der sozialpolitische Maßnahmen ergriffen werden können", sagte eine Sprecherin des Bundessozialministeriums. Auch solle erfasst werden, wer von Wohnungslosigkeit betroffen ist. Das Sozialministerium hat einen entsprechenden Gesetzentwurf erarbeitet, der in der nächsten Woche auf den Weg gebracht werden soll, wie eine Sprecherin n-tv.de mitteilte.

Auf Bundesebene und auch für die meisten Bundesländer liegen bisher keine belastbaren Daten zu Wohnungslosigkeit vor. Zwar existieren verschiedene Schätzungen - deren Zahlen gehen aber auseinander. Sozialverbände und Wohnungslosen-Initiativen kritisieren seit Langem, dass bundesweit gesicherte Zahlen zu Wohnungslosen fehlen. Sie sehen darin ein Hindernis beim effektiven Umgang mit diesem Problem.

Das zeigt sich auch an der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen zum Thema Wohnungslosigkeit von vergangenem Oktober. Darin hieß es, man verfüge wegen "der aktuell unzureichenden und ungesicherten Erkenntnisse" zu Wohnungslosigkeit über "keine Anhaltspunkte für politische Maßnahmen".

"Nicht mit der Menschenwürde vereinbar"

Die künftige Statistik solle "Daten zu Ausmaß und Struktur von Wohnungslosigkeit" erhalten, sagte nun die Ministeriumssprecherin. Wohnungslosigkeit sei eine "besonders schwere Form von Armut und sozialer Ausgrenzung", die "nicht mit der Menschenwürde vereinbar" sei. Anders als Obdachlose leben wohnungslose Menschen nicht auf der Straße, sondern übernachten in Notunterkünften und stationären Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe oder der Kommunen.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzte die Zahl der Wohnungslosen in einer 2017 vorgelegten Studie bundesweit auf 860.000. Wegen der rasch steigenden Wohnkosten sagte die Arbeitsgemeinschaft einen starken Anstieg der Betroffenenzahl voraus.

Quelle: n-tv.de, aeh/AFP