Politik
Tausende Armenier gingen gegen ihre Regierung auf die Straße - zugunsten der Geiselnehmer.
Tausende Armenier gingen gegen ihre Regierung auf die Straße - zugunsten der Geiselnehmer.(Foto: AP)
Montag, 01. August 2016

Blutiger Protest in Armenien: Regierungsgegner geben Geiselnahme auf

In Armenien besetzen Anhänger eines inhaftierten Oppositionsführers eine Polizeiwache und nehmen Geiseln. Zwei Wochen dauert es, bis die Regierungsgegner aufgeben. Ihnen drohen lange Haftstrafen, doch sie sehen ihr Ziel als erreicht an.

Nach zwei Wochen Nervenkrieg ist die Geiselnahme durch Regierungsgegner in Armenien endgültig beendet: Nachdem sie am Vorabend ihre letzten beiden Geiseln freigelassen hatten, gaben die Bewaffneten am gestrigen Abend auf und verließen das von ihnen besetzte Polizeigebäude. Zwei Polizisten wurden im Zuge der vierzehntägigen Geiselnahme getötet, tausende Regierungsgegner gingen zur Unterstützung der Geiselnehmer auf die Straße.

Der Einsatz der Sicherheitskräfte sei zu Ende, 20 "Terroristen" seien festgenommen worden, teilten die Sicherheitsbehörden in Eriwan mit. Eine armenische Internetseite veröffentlichte kurz vor Beendigung der Geiselnahme eine Erklärung, die von einem der Geiselnehmer stammen soll. Die Gruppe sei bereit, aufzugeben, um ein "Blutbad" zu verhindern, heißt es darin. Die Geiselnehmer wollten ihren "Kampf aus dem Gefängnis heraus" fortsetzen und hätten angesichts der Massenproteste "ihr Ziel erreicht".

Streit um getöteten Polizisten

Rund 20 bewaffnete Anhänger des inhaftierten Oppositionsführers Dschirair Sefiljan hatten das Polizeigebäude am 17. Juli gestürmt, einen Polizisten getötet und zunächst acht Menschen als Geiseln genommen. Sie wollten den Rücktritt von Präsident Sersch Sarkissjan sowie die Freilassung von Oppositionsführer Sefiljan erzwingen. Dieser sitzt seit Juni in Haft. Ihm wird vorgeworfen, die Besetzung von Regierungsgebäuden und Telekommunikationseinrichtungen geplant zu haben.

Nach und nach hatten die Männer ihre ersten Geiseln wieder freigelassen, am Mittwoch jedoch zwei Ärzte und zwei Krankenschwestern in ihre Gewalt gebracht, die zur Behandlung von Verletzten in das Gebäude gegangen waren. Am Samstag stellten die Sicherheitskräfte den Geiselnehmern ein Ultimatum, bis zum Nachmittag aufzugeben. Am Abend wurden dann die letzten beiden Geiseln freigelassen.

Allerdings erschoss nach Polizeiangaben ein Scharfschütze aus der Wache heraus einen Polizisten. Die Regierungsgegner wiesen das jedoch zurück.

Kundgebung bleibt friedlich

Die zweiwöchige Geiselnahme hatte in der früheren Sowjetrepublik massive Proteste ausgelöst. Tausende Regierungsgegner gingen am Samstagabend erneut zur Unterstützung der Geiselnehmer und ihrer Forderungen auf die Straße, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Demonstration verlief weitgehend friedlich, allerdings übergoss sich ein Demonstrant mit Benzin und zündete sich an. Er wurde ins Krankenhaus gebracht.

Bei einer ähnlichen Kundgebung am Freitag hatten sich Demonstranten und Polizei bis in die Nacht heftige Auseinandersetzungen geliefert. Die Polizei versuchte, die Kundgebung mit Schlagstöcken, Rauchbomben und Blendgranaten gewaltsam aufzulösen. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt, darunter auch Journalisten. 165 Demonstranten wurden nach Polizeiangaben festgenommen. 26 von ihnen blieben anschließend in Haft.

Quelle: n-tv.de