Politik

Kurskorrektur im System nötig Rentenexperte plädiert für Rente mit 69

118825899.jpg

Die deutsche Gesellschaft wird immer älter. Wie sollen künftig die Renten finanziert werden?

(Foto: picture alliance/dpa)

Die junge Generation sorgt sich um ihre Rente. Zu Recht, findet der Rentenexperte Axel Börsch-Supan. Schließlich werde es schon sehr bald nicht mehr aufgehen, dass die Jüngeren die Rente der Alten finanzieren.

Die Statistik zeigt: Künftig müssen immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen. In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" plädierte Axel Börsch-Supan, Wissenschaftler für Sozialrecht und Sozialpolitik am Max-Planck-Institut und Mitglied der Rentenkommission, deswegen dafür, eine Kurskorrektur im Rentensystem vorzunehmen. Er sprach sich auch dafür aus, das Rentenalter zunächst auf 68 und später 69 Jahre anzuheben.

Börsch-Supan sagte: "Wenn wir jetzt nichts tun, machen sich die Jüngeren zu Recht sorgen." Die bisherige Linie der Bundesregierung, das Rentenniveau bis 2025 bei 48 Prozent zu stabilisieren und den Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigen zu lassen, werde "bis 2025 nicht mehr gut gehen", so Börsch-Supan. "Wir erwarten, dass bereits 2025 ein niedriger zweistelliger Milliardenbetrag zusätzlich aufgebracht werden muss, um diese Haltelinien zu finanzieren."

Dies müsse dann beispielsweise durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt finanziert werden. Würde man die Politik der Haltelinien noch über 2025 hinaus fortsetzen, so Börsch-Supan, "wären wir 2035 schon knapp bei 100 Milliarden Euro zusätzlicher Belastung für den Bundeshaushalt. Bereits heute schießt der Bund der Rentenkasse fast 100 Milliarden Euro jährlich zu, der Bundesetat hat insgesamt ein Volumen von 350 Milliarden Euro." Dies illustriere den Handlungsbedarf, so der Rentenexperte.

Betriebsrente stärken

Börsch-Supan ist Direktor am Münchner Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik. Außerdem ist er Mitglied der von der Bundesregierung Mitte 2018 eingesetzten Rentenkommission, die spätestens bis März 2020 ihre Ergebnisse präsentieren soll. In dem Interview stellte er aber ausdrücklich klar, dass er mit seinen Vorschlägen den Ergebnissen der Kommission nicht vorgreifen wolle. Er äußere sich jetzt "als Wissenschaftler, der seit Langem darüber nachdenkt, wie man mit dem demografischen Wandel umgeht."

Börsch-Supan sprach sich dafür aus, in einer langen Übergangsphase die Rente mit 69 einzuführen. Konkret sagte er: Wenn 2030 erstmals die volle Altersgrenze von 67 gelte, solle nach weiteren 12 Jahren zunächst die Rente mit 68 und weitere 12 Jahre später die Rente mit 69 eingeführt werden. Die Deutschen würden zwar immer älter und lebten immer länger. Mit solchen graduellen Korrekturen beim Rentenalter lasse sich aber das heutige Rentenniveau "mit einer kleinen Delle halten", sagte Börsch-Supan. Er mahnte jedoch zugleich: "Wenn das Rentenalter aber auf Dauer bei 67 stagniert, obwohl unsere Lebenserwartung alle zehn Jahre um zwei Jahre steigt, dann geht das Rentenniveau auf ungefähr 42 Prozent runter."

Börsch-Supan sprach sich für eine deutliche Stärkung der privaten Altersvorsorge durch Betriebsrenten aus. "Wenn man die kapitalgedeckte Rente zum zweiten Standbein neben der umlagefinanzierten Rente ausbauen möchte, dann muss man die Betriebsrente stärken." Derzeit hätten nur 57 Prozent der Arbeitnehmer Anspruch auf eine Betriebsrente. "Da fehlen also noch 43 Prozent." Dies umzusetzen, sei gemeinsame Aufgabe von Politik und Sozialpartnern.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, kpi

Mehr zum Thema