Politik

Protest gegen Gewalt "Rote Schals" stellen sich "Gelbwesten" entgegen

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Stoppt die Gewalt", fordern die "Roten Schals".

(Foto: REUTERS)

Die "Gelbwesten"-Proteste in Frankreich erhalten weniger Zulauf. Dafür startet eine Gegenbewegung: die "Roten Schals". Sie lehnen die Ausschreitungen der vergangenen Wochen ab. Friedlich bleibt es auch dieses Wochenende nicht.

In Paris haben erstmals mehrere Tausend Anhänger der "Roten Schals" (foulards rouges) demonstriert. Das ist eine Gegenbewegung zu dem gewaltbereiten Teil der "Gelbwesten". Sie will die Demokratie und die Institutionen verteidigen, lehnt die von einigen "Gelbwesten" ausgeübte Gewalt ab. Der Initiator der "Roten Schals", Laurent Soulié, steht der Partei von Präsident Emmanuel Macron nahe. Der 51-Jährige und seine Mitstreiter werben für ein "friedliches und respektvolles Frankreich" ohne "Hass".

Die Teilnehmerzahl bei der Demonstration der "Rotschals" blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Organisatoren hatten am Vormittag mit mindestens 10.000 Teilnehmern gerechnet - so viele hatten zuvor über Facebook ihre Teilnahme an dem "Republikanischen Marsch der Freiheiten" in der französischen Hauptstadt zugesagt. Das Kennzeichen der roten Schals geht auf eine Protestgruppe zurück, die seit Ende November gegen die Straßenblockaden der "Gelbwesten" demonstrierte.

An der Spitze des Demonstrationszugs skandierten die Aktivisten "Ja zur Demokratie, nein zur Revolution". Zu sehen waren mehrere Frankreich-Fahnen und eine Handvoll Europa-Fahnen. Einige Teilnehmer trugen T-Shirts mit Aufschriften wie "Ich liebe meine Republik" oder "Stoppt die Gewalt".

Neue Zusammenstöße bei "Gelbwesten"-Protest

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Paris am Samstag: Polizisten und Demonstranten auf dem Place de la Bastille.

(Foto: imago/Marius Schwarz)

Am Samstag waren wieder zehntausende "Gelbwesten" gegen Macrons Politik auf die Straße gegangen. Dabei gab es etwas weniger Zulauf als zuvor. Im ganzen Land seien am Samstag 69.000 Demonstranten gezählt worden, eine Woche vorher hätten noch 84.000 Menschen an den Kundgebungen teilgenommen, berichtete der Nachrichtensender Franceinfo unter Berufung auf das Innenministerium. Es war das elften Protest-Wochenende in Folge. Erneut kam es am Rande der Versammlungen zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften – in Paris und anderen Städten wie Toulouse und Bordeaux.

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Demonstranten im Tränengasnebel beim "Gelbwesten"-Protest in Paris.

(Foto: imago/Marius Schwarz)

Innenminister Christophe Castaner verurteilte die Gewalttätigkeiten bei den "Gelbwesten"-Protesten scharf. Er sprach von Randalierern, die sich als "Gelbwesten" getarnt hätten. Castaner sicherte eine Untersuchung von Vorfällen am Pariser Bastille-Platz zu. Bei den Auseinandersetzungen hatte die Polizei Tränengas und einen Wasserwerfer eingesetzt, um Demonstranten zurückzudrängen, die Wurfgeschosse auf Polizisten warfen. Die Polizei nahm 22 Menschen fest.

Jérôme Rodrigues, eines der Sprachrohre der "Gelbwesten", wurde schwer am Auge verletzt. Er sei von einem Gummigeschoss der Polizei getroffen worden, sagte sein Anwalt dem Fernsehsender BFM. "Er wird sein Leben lang behindert sein." Das Projektil sei von anderen Demonstranten als Beweisstück eingesammelt worden. Der Einsatz von Gummigeschossen ist umstritten.

Macron bei "Bürgerdebatte"

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Brennende Barrikade in Paris am Samstag.

(Foto: imago/Marius Schwarz)

Ein großes Konfliktthema ist die aus Sicht der "Gelbwesten" als zu niedrig empfundene Kaufkraft. Einige "Gelbwesten" fordern den Rücktritt Macrons. Der 41-Jährige ist mit der bislang schwersten Krise seiner Amtszeit konfrontiert, die im Mai 2017 begonnen hatte. Zur Entschärfung des Konflikts hatte Macron im Dezember mit milliardenschweren Sozialmaßnahmen reagiert. Außerdem rief er eine "Bürgerdebatte" ins Leben, bei der Bürger bis Mitte März in ihren Gemeinden Vorschläge machen können. Macron nahm in der zurückliegenden Woche selbst an einem solchen Gespräch in Süden des Landes teil.

Die Bewegung der "Gelbwesten" hat verschiedene Strömungen, was auch zu Konflikten führt. So wird die Aktivistin Ingrid Levavasseur wegen ihrer angekündigten Kandidatur bei der Europawahl aus den eigenen Reihen massiv kritisiert. Sie und einige Mitstreiter hatten am Mittwoch angekündigt, den Sprung ins Europaparlament wagen zu wollen.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP/dpa

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