Politik
Nicht bei jedem ist der Papst willkommen.
Nicht bei jedem ist der Papst willkommen.(Foto: dpa)
Donnerstag, 15. September 2011

"Realität im Jahr 2011" spüren: Roth verteidigt Papst-Kritik

Etliche Abgeordnete wollen der Rede von Papst Benedikt XVI. im Bundestag fernbleiben. Kurienkardinal Brandmüller sieht damit das Bild vom hässlichen Deutschen bestätigt. Grünen-Chefin Roth will sich die Rede allerdings anhören. Kritik am Papstbesuch hält sie für berechtigt, schließlich gehe es um das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Grünen-Chefin Claudia Roth hat Verständnis für Kritik am Papst-Besuch in Deutschland geäußert. "Das Recht auf freie Meinungsäußerung darf nicht eingeschränkt werden, wenn ein Staatsoberhaupt nach Deutschland kommt, auch nicht, wenn es der Papst ist", sagte Roth der "Berliner Morgenpost".

Mit Blick auf Themen wie Frauenrechte und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensformen ergänzte die Politikerin, es werde dem Papst "mal ganz gut tun, nach Berlin zu kommen und zu spüren, was Realität ist im Jahr 2011". Im Gegensatz zu mehreren Abgeordneten, die die Papst-Rede im Bundestag boykottieren wollen, sagte Roth, sie wolle sich diese zwar anhören, freue sich "aber auch auf die lebhafte Debatte drumherum".

"Das Bild vom hässlichen Deutschen"

Der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller kritisierte die Abgeordneten, die sich Halbe Opposition bleibt Rede fern , indes scharf. "Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages müssen sich der Wirkung dieser Art von Protest im Ausland bewusst sein", sagte er der "Bild"-Zeitung. Durch ihr Verhalten verstärkten sie "das Bild vom hässlichen Deutschen, das leider immer noch existiert". Zuvor hatten bereits mehrere deutsche Bischöfe den von etwa 100 Abgeordneten geplanten Boykott der Papst-Rede als ungehörig und blamabel kritisiert.

Bundestagspräsident Norbert Lammert von der CDU sieht den Boykott dagegen gelassen. Das gehöre zu einer freiheitlichen Gesellschaft und einem frei gewählten Parlament, sagte er dem Internetportal "katholisch.de". Lammert rechnet damit, dass der Bundestag "nicht nur gut gefüllt, sondern überfüllt sein wird". Auf leeren Abgeordnetenstühlen sollen Ersatzleute Platz nehmen.

Der Papst will Deutschland in der kommenden Woche von Donnerstag bis Sonntag besuchen und in Berlin, Erfurt und Freiburg Station machen. Am Donnerstag soll er auf Einladung von Parlamentspräsident Norbert Lammert vor dem Bundestag sprechen. Abgeordnete der Linksfraktion und Parlamentarier von Grünen und SPD kündigten an, sich die Rede nicht anhören zu wollen. Sie halten die Papst-Rede im Parlament für unvereinbar mit der religiösen Neutralität des Staates.

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Quelle: n-tv.de