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Vor US-Sanktionen gegen Iran Ruhani steht weiter zum Atomabkommen

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Irans Präsident Ruhani wirft den USA vor, einen "psychologischen Krieg" gegen sein Land zu führen.

(Foto: imago/Future Image)

Trotz der angekündigten Sanktionen durch die USA hält der iranische Präsident Hassan Ruhani am internationalen Atomabkommen fest. Donald Trump wirft er vor, einen "psychologischen Krieg" zu führen.

Der Iran will nach Angaben von Präsident Hassan Ruhani trotz der US-Sanktionen am Atomabkommen festhalten. "Wir werden der Welt zeigen, dass wir unser Wort halten und uns an internationale Verträge halten", sagte Ruhani in einem Interview des staatlichen Fernsehsenders IRIB. Die US-Sanktionen, deren erste Phase in Kürze beginnen, bezeichnete er als "einen psychologischen Krieg" der Amerikaner gegen den Iran. Den werde das Land aber mit "Solidarität und Einheit" bewältigen.

Das Gesprächsangebot Trumps ziele nur auf die heimische Wählerschaft vor den Kongresswahlen im November und solle Chaos im Iran schüren, so Ruhani. Die USA würden die Verhängung der Sanktionen bereuen. Sie seien schon jetzt isoliert.

"Verhandlungen mit Sanktionen zu verknüpfen, ist unsinnig", sagte Ruhani in dem Fernsehinterview. "Sie verhängen Sanktionen gegen iranische Kinder, gegen Kranke und gegen die Nation." Ab Dienstag setzen die USA wieder einige der Sanktionen in Kraft, die im Zuge des internationalen Atomabkommens von 2015 ausgesetzt waren. Dem Iran werden unter anderem der Kauf von US-Dollar, der Handel mit Gold, Metallen, Kohle und Industrie-Software verboten. Auch die Autoindustrie ist nach Angaben eines US-Regierungsvertreters von den Strafmaßnahmen betroffen, mit denen Trump den Iran zum Aushandeln eines neuen Atom-Abkommens zwingen will.

Der zweite Teil der Sanktionen soll am 5. November in Kraft treten. Dann ist unter anderem der Ölsektor die Zielscheibe. Viele Iraner fürchten einen Absturz ihrer Landeswährung, wenn die Finanz- und Handelsbeschränkungen der USA einsetzen.

Die US-Sanktionen richten sich auch gegen Unternehmen aus Drittländern, die Geschäfte mit dem Iran machen. Mehrere Konzerne wie Total, Peugeot und Renault, die nach dem Abkommen in den Iran zurückgekehrt waren, haben daher bereits ihren Rückzug verkündet.

Trump hatte im vergangenen Mai den einseitigen Ausstieg der USA aus dem Atomdeal verkündet. Er kritisiert, die Vereinbarung sei untauglich dafür gewesen, den Bau einer Atombombe zu verhindern, und habe die Regierung in Teheran noch dazu mit Geld versorgt.

Der Iran sei mit den politischen Reaktionen der Europäer sowie Russlands und Chinas absolut zufrieden, sagte Ruhani. Im praktischen Bereich gebe es aber Probleme mit den Firmen, die ihre Aktivitäten im Iran wegen der Sanktionen begrenzen wollten.

Das Gesprächsangebot Trumps lehnt Ruhani zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab. Verhandlungen sollten "ergebnisorientiert und auf der Basis von Aufrichtigkeit" geführt werden, sagte Irans Präsident. Trump habe mit dem Ausstieg aus diversen internationalen Verträgen bewiesen, dass dies bei ihm nicht der Fall sei. "Die USA setzen Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft, ziehen sich aus dem Atomabkommen zurück, und dann wollen sie mit uns Gespräche führen", sagte Ruhani.

Im Juli hatte Trump Ruhani direkte Gespräche ohne Vorbedingungen angeboten, um Möglichkeiten für eine Verbesserung der angespannten Beziehungen auszuloten. Ranghohe iranische Regierungsvertreter und Militärs hatten das Angebot angesichts der Sanktionsdrohungen aber als wertlos zurückgewiesen.

Quelle: n-tv.de, sgu/AFP/dpa/rts

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