Politik

Nawalny beschuldigt den Kreml Russische Journalistin verbrennt sich selbst

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Irina Slawina.

(Foto: Khodorkovsky Center)

Der Fall des vergifteten Kreml-Kritikers Nawalny empört die ganze Welt. Doch auch andere Oppositionelle werden in Russland drangsaliert und buchstäblich zu Tode schikaniert. Eine Journalistin der Gruppe "Open Russia" verbrennt sich nun selbst - Slawina reagiert damit auf die Durchsuchung ihrer Wohnung.

Einen Tag nach der Durchsuchung ihrer Wohnung durch die Behörden hat sich in Russland die der Opposition nahestehende Journalistin Irina Slawina selbst verbrannt. Sie starb, nachdem sie sich vor einem Büro des Innenministeriums in der Stadt Nischni Nowgorod 400 Kilometer östlich von Moskau selbst angezündet hatte. Zuvor hatte sie auf ihrer Facebook-Seite geschrieben: "Macht die russische Föderation für meinen Tod verantwortlich."

Am Tag vor ihrem Tod hatte Slawina erklärt, ihre Wohnung sei von Polizisten durchsucht worden. Dabei seien Notebooks, ihr Laptop und andere Elektronik sowie der Laptop ihrer Tochter und das Mobiltelefon ihres Mannes beschlagnahmt worden. Auch sei nach Material der Oppositionsgruppe "Open Russia" gesucht worden, die vom Kreml-Kritiker Michail Chodorkowsky finanziert wird.

Slawina arbeitete als Chefredakteurin für das kleine Nachrichtenunternehmen Kosa Press. Mitglieder der russischen Opposition erklärten, Slawina habe seit langem unter dem Druck der Behörden gestanden. "In den vergangenen Jahren war sie wegen ihrer Aktivitäten für die Opposition endlosen Verfolgungen durch die Behörden ausgesetzt", schrieb etwa der Politiker Dmitri Gudkow auf Instagram. "Was für ein Alptraum", twitterte der Kreml-Kritiker Ilja Jaschin. "Die Regierung bricht die Menschen psychisch."

Auch der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny, der im September einem Giftanschlag mutmaßlich der russischen Führung nur knapp entgangen war, äußerte sich auf Twitter zu dem Fall. Er forderte, nicht nur die Sicherheitskräfte in Nischni Nowgorod, sondern die Auftraggeber für die Schikanen innerhalb der russischen Regierung in Moskau zur Verantwortung zu ziehen.

EU-Gipfel verurteilt Giftanschlag auf Nawalny

Auf ihrem Gipfel in Brüssel beschlossen derweil die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union, sich bei ihrem nächsten Gipfel am 15. und 16. Oktober erneut mit der Vergiftung Nawalnys zu befassen. Dann könnte es auch um eine gemeinsame Reaktion der 27 Mitgliedstaaten gehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte, dass zunächst die Organisation für das Verbot chemischer Waffen ihre Untersuchungen dazu abschließen müsse. "Wir werden dann in zwei Wochen beim Europäischen Rat noch einmal auf dieses Thema zurückkommen."

Merkel begrüßte, dass die Staats- und Regierungschefs die Vergiftung bereits einhellig verurteilt haben. In der gemeinsamen Abschlusserklärung heißt es: "Der Gebrauch einer chemischen Waffe stellt einen ernstzunehmenden Bruch internationalen Rechts dar." Man rufe die russischen Behörden dazu auf, vollständig mit der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen zusammenzuarbeiten, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Nawalny war am 20. August während eines Inlandsflugs in Russland zusammengebrochen. Nach einer Notlandung in der sibirischen Stadt Omsk wurde er zur weiteren Behandlung nach Berlin gebracht. Wochenlang lag er dort im künstlichen Koma. Nach dem Befund eines Bundeswehr-Speziallabors wurde er mit einem Nowitschok-Kampfstoff vergiftet. Das bestätigten auch Labors in Frankreich und Schweden.

Quelle: ntv.de, mau/rts

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