Politik

Neue Angriffe vor VerhandlungenRussland beschießt keine Energieanlagen - dafür andere Ziele

31.01.2026, 13:44 Uhr
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Der Albtraum geht weiter: Ukrainische Feuerwehrleute löschen in Kramatorsk ein Feuer, das am Freitag durch eine russische Drohne ausgelöst wurde. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

US-Präsident Trump kündigt es groß an, später folgt eine dürre Mitteilung aus Moskau: Für ein paar Tage will Russland keine ukrainischen Energieanlagen mehr beschießen. Durchatmen kann die Ukraine deshalb noch lange nicht.

Russland hat nach einem erklärten vorübergehenden Verzicht auf den Beschuss von Energieanlagen dem Verteidigungsministerium zufolge seine Angriffe auf andere Ziele fortgesetzt. Es seien von den ukrainischen Streitkräften genutzte Objekte der Verkehrsinfrastruktur und Munitionsdepots beschossen worden, teilte das russische Ministerium mit.

Die ukrainischen Luftstreitkräfte meldeten, dass Russland in der Nacht 85 Drohnen eingesetzt habe. Über Einschläge in Energieanlagen war demnach bislang nichts bekannt. Auch Russland berichtete von abgewehrten ukrainischen Angriffen. Es seien unter anderem 47 Drohnen und 4 Gleitbomben abgeschossen worden. Zu Schäden machte das Ministerium wie immer keine Angaben.

Russen und Ukrainer wollen an diesem Sonntag in Abu Dhabi ihre am vergangenen Wochenende nach langer Zeit wieder aufgenommenen direkten Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges fortsetzen. Russland erklärte sich nach einer Bitte von US-Präsident Donald Trump bereit, wegen der extremen Kälte und der ohnehin großen Schäden von neuen Angriffen auf die Energieinfrastruktur zeitweilig abzusehen.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, dass diese begrenzte Feuerpause nur bis zu diesem Sonntag gelte, um für die Verhandlungen eine gute Grundlage zu schaffen. Trump selbst hatte von einer einwöchigen Pause gesprochen, die Kremlchef Wladimir Putin ihm zugesagt habe.

Ukraine hält sich zurück

Zwar erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, dass es keine Vereinbarung zwischen den Kriegsparteien über eine solche Feuerpause gebe. Er wolle sich aber auch daran halten und keine Objekte der russischen Ölindustrie angreifen, wenn Russland seine Ankündigung wahrmache.

Selenskyj hatte am Freitag bestätigt, dass keine Energieanlagen angegriffen worden seien. Er erklärte, dass aus seiner Sicht die einwöchige Pause seit diesem Tag gelte. Zugleich berichtete er, dass Russland seine Angriffe verlagert habe und nun Verkehrsinfrastruktur unter Beschuss nehme.

Selenskyj hatte zuletzt wegen der russischen Angriffe auf Energieanlagen, die zu massiven Strom- und Heizungsausfällen führten und die Lage der Menschen verschlimmerten, die westlichen Verbündeten aufgerufen, ihre zugesagten Luftabwehrraketen rasch zu liefern.

Komplettausfall der U-Bahn in Kiew

Wegen Stromausfällen ist an diesem Samstag auch das U-Bahn-Netz der ukrainischen Hauptstadt Kiew zum Stillstand gekommen. "Der Zugverkehr und der Betrieb der Rolltreppen in der U-Bahn wurde vorübergehend eingestellt", teilte der Betreiber der U-Bahn bei Facebook mit. Grund sei der Ausfall eines externen Stromversorgungszentrums. Bis die Stromversorgung wiederhergestellt sei, würden die U-Bahn-Stationen als Schutzräume vor den russischen Angriffen dienen, erklärte Bürgermeister Vitali Klitschko im Onlinedienst Telegram.

Das U-Bahn-Netz ist ein wichtiges Verkehrssystem der ukrainischen Hauptstadt. Selbst während intensiver russischer Bombardements stellte die U-Bahn nur selten den Betrieb ein. Offiziellen Daten zufolge nutzten 2025 täglich rund 800.000 Fahrgäste die Züge des öffentlichen Verkehrssystems. Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner Kiews nutzen die 52 Stationen des U-Bahn-Netzes zudem als Luftschutzbunker während russischer Angriffe.

Unterdessen reiste der Kreml-Unterhändler Kirill Dmitrijew nach eigenen Angaben wieder in die USA. "Wieder in Miami", schrieb der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin bei Instagram. Dmitrijew machte keine Angaben dazu, mit wem er sich trifft und worum es genau bei den Gesprächen geht. Dmitrijew hatte seine bisherigen Gespräche stets mit dem US-Unterhändler Steve Witkoff geführt.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/AFP

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