Politik

Interview mit Mitgründer Santori "Sardinen" bieten Rechtspopulisten die Stirn

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Mitbegründer Mattia Santori zeigt das Symbol der Bewegung: eine Sardine.

(Foto: imago images/Italy Photo Press)

Vor einem Monat begannen sie als spontaner Flashmob in Bologna. Jetzt füllten die "Sardinen" einen symbolträchtigen Platz in Rom. Sie wollen eine andere Politik in Italien und stellen sich gegen den Rechtspopulismus. n-tv hat mit Mattia Santori, einem der Gründer der Bewegung, gesprochen.

n-tv: Herr Santori, Ihre Bewegung positioniert sich klar gegen rechts. Insbesondere gegen Lega-Chef Matteo Salvini. Warum?

Mattia Santori: Unsere erste Botschaft war gegen Salvini, wir haben ihn und die Lega regelrecht herausgefordert. Diese Botschaft ist dann in ganz Italien angekommen. Es gibt verschiedene Formen des Populismus der Rechten, das ist nicht nur Salvini - und nicht nur in Italien.

Antifaschistisch, links oder Mitte - wie würden Sie die Bewegung definieren?

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Zehntausende Menschen sind in Rom gegen den Rechtspopulismus auf die Straße gegangen.

(Foto: imago images/Italy Photo Press)

Wir stehen zuallererst einmal hinter der italienischen Verfassung. Die Gleichheit der Menschen, die Unterschiede der Menschen zu respektieren, das Recht, eine Idee zu vertreten, ohne deswegen gleich Andersdenke zu Feinden zu erklären. Diese Ideen findet man vor allem bei den Linken, ich würde deswegen sagen, unsere Position ist deswegen eher links.

Würden Sie sich eventuell auch an Wahlen beteiligen?

Bei uns geht es um eine gesellschaftliche Vermittlung. Wir sind eine Bewegung, die sich weder anstelle der Parteien setzen möchte noch die vielen Bürgerinitiativen ersetzen will. Es braucht eine Art Vermittler, die die Parteien mit der aktiven Basis der Bürger wieder zusammenbringt, damit beide Seiten mehr miteinander sprechen.

Sind Sie von dem enormen Zuspruch in ganz Italien überrascht?

Ich bin positiv überrascht! Wir hatten gehofft, beim ersten Mal nicht ganz allein auf dem Platz zu stehen, aber dann haben wir nicht nur 6000 Mit-Sardinen gefunden, sondern Hunderttausende!

Die Idee, sich "Sardine" zu nennen - woher kam sie?

Die Idee stammt von einer italienischen Redensart, die sich auf einen Fisch bezieht: "so dichtgepackt wie Sardinen". Denn wenn Sardinen eine Gefahr spüren, rücken sie ganz eng zusammen. Es gibt sehr viele Metaphern zu dieser Fischart. Ein Tier, was schwach zu sein scheint. Die Sardinen aber können sich gut gegen große Raubfische wehren, sie rücken wie ein Ball zusammen oder schaffen einen Schatten, um Angreifer zu erschrecken. Sie erscheinen schwach, sind es aber nicht. Sie setzen das Gehirn ein, nicht die grobe Kraft.

Und die Gefahr für die Fische war vergleichbar mit Salvinis Rechtspopulismus in Italien?

Der Populismus ist noch immer die Gefahr, vor uns liegt noch ein langer Weg. Den Bauch anzusprechen geht schneller, als ans Gehirn zu appellieren. Wir wissen, dass wir keine Eile haben dürfen. Der Wiederaufbau eines bürgerlichen Gemeinsinnes in Italien wird nur langsam gehen und viel Zeit brauchen.

Mit Mattia Santori sprach Udo Gümpel

Quelle: ntv.de