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Berlin befürchtet "Provokation" Schäden an Tanker deuten auf Minenangriff

Nahe der iranischen Küste werden erneut zwei Handelsschiffe attackiert. Davon ist auch eine deutsche Reederei betroffen. Bundesregierung und EU sind alarmiert, denn die Vorfälle erhöhen die Spannungen zwischen dem Iran und seinen arabischen Erzrivalen.

Bei Angriffen im Golf von Oman sind zwei Tanker ernsthaft beschädigt worden. Die Schäden an einem der Schiffe sind beträchtlich, einschließlich eines Brandes und eines Lochs an der Wasserlinie. Nach ersten Schätzungen soll ein explosives Projektil dafür verantwortlich sein. Da beide Schiffe nach den Explosionen über Wasser geblieben seien, lasse das auf einen Angriff mit Wasserminen schließen, sagte Jakob P. Larsen, Leiter der Abteilung für maritime Sicherheit bei Bimco, dem größten internationalen Schiffseigner-Verband. "Dem Schaden nach zu urteilen, sieht es nicht wie ein Torpedo aus. Es sieht aus wie etwas Kleineres. Dabei könnte es sich um einen improvisierten Sprengsatz oder um eine Haftmine handeln", sagte er der Nachrichtenagentur AP.

Die auf den Bermudas ansässige Reederei Frontline teilte mit, dass eines ihrer Schiffe, die "Front Altair", im Golf von Oman in Flammen stehe und die Besatzung unverletzt vom Schiff evakuiert worden sei. Bei dem anderen Schiff handelt es sich um einen Tanker einer deutschen Unternehmensgruppe. Wie die Hamburger Reedereigruppe Bernhard Schulte Shipmanagement auf ihrer Website mitteilte, wurde ihr Schiff "Kokuka Courageous" bei einem "Sicherheits-Zwischenfall" im Golf von Oman beschädigt. Die Crew habe den beschädigten Tanker mit einem Rettungsboot verlassen. Das in der Nähe fahrende Schiff "Coastal Ace" habe sie aufgenommen. Der Tanker transportiere Methanol, die Ladung sei unbeschädigt.

EU warnt vor vorschnellen Reaktionen

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Die Bundesregierung geht davon aus, dass durch die Angriffe ein militärischer Konflikt mit dem Iran herbeigeführt werden könnte. "Nach Einschätzung der zuständigen Stellen müssen wir von einer ernsten Provokation ausgehen", sagte ein führender Krisenmanager der Bundesregierung der "Bild"-Zeitung. Der Krisenmanager erklärte, dass es "inhomogene Kräfte in der iranischen Regierung" geben könnte, "die ein Interesse an einem eskalierenden Konflikt haben".

Der Vorfall sei "außerordentlich beunruhigend", sagte auch Außenminister Heiko Maas. Sabotageakte seien generell immer eine Bedrohung für offene Handelswege und "aktuell auch eine Bedrohung für den Frieden".

Die EU warnte derweil vor vorschnellen Reaktionen. "Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen", sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel. Man rufe deswegen zu äußerster Zurückhaltung und zum Unterlassen jeglicher Provokationen auf.

Ölpreise steigen stark

Bereits vor vier Wochen hatten die Vereinigten Arabischen Emirate Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe im Golf von Oman gemeldet. Die genauen Umstände blieben jedoch unklar. US-Sicherheitsberater John Bolton sprach von Angriffen mit Seeminen, für die "fast sicher" der Iran verantwortlich sei. Beweise legte er nicht vor. Teheran wies den Vorwurf zurück. Der Vorfall erhöhte die Spannungen zwischen den USA und dem Iran. "Die USA könnten den Iran oder mit dem Iran verbündete Milizen dafür verantwortlich machen", kommentierte Commerzbank-Fachmann Carsten Fritsch die Vorfälle.

Die USA befinden sich mit Iran im Streit wegen dessen Atomprogramm. Ein Abkommen zur Eindämmung des Programms hatten die USA vor gut einem Jahr gekündigt und Wirtschaftssanktionen verhängt. Brisant für den Ölhandel ist der Ort der Zwischenfälle: Der Golf von Oman liegt in der Nähe der Meerenge von Hormus, der die ölreiche persische Golfregion mit dem offenen Meer verbindet. Über diese Verbindung läuft ein erheblicher Teil des weltweiten Rohöltransports per Schiff. Iran hat mehrfach gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren. Fachleute rechnen in diesem Fall mit starken Preissteigerungen.

Die Ölpreise waren nach den Zwischenfällen bereits stark gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Mittag 62,05 US-Dollar. Das waren 2,05 Dollar mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,49 Dollar auf 52,63 Dollar. Zeitweise waren die Ölpreise noch stärker gestiegen.

Quelle: n-tv.de, mba/DJ/dpa

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